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Busch-Blog

Von und über Wilhelm Busch

Dieser Blog ist dem niedersächsischen Dichter, Künstler, Erfinder der Graphic Novel und Weltweisen Wilhelm Busch gewidmet. Im Laufe der Zeit werde ich an dieser Stelle Texte aus verschiedenen seiner Werke, aber auch eigene Überlegungen zu Busch veröffentlichen.

Mittwoch, 28. April 2021
SEI EIN BRAVER BIEDERMANN

Sei ein braver Biedermann,
Fange tüchtig an zu loben!
Und du wirst von uns sodann
Gerne mit emporgehoben.

Wie, du ziehst ein schiefes Maul?
Willst nicht, daß dich andre adeln?
Na, denn sei mir nur nicht faul
Und verlege dich aufs Tadeln.

Gelt, das ist ein Hochgenuss,
Schwebst du so mit Wohlgefallen
Als ein sel’ger Kritikus
Hocherhaben über allen.

Mittwoch, 21. April 2021
Ihr kennt ihn doch

IHR KENNT IHN DOCH SCHON MANCHES JAHR,
Wisst, was es für ein Vogel war;
Wie er in allen Gartenräumen
Herumgeflattert auf den Bäumen;

Wie er die hübschen roten Beeren,
Die andern Leuten zugehören,
Mit seinem Schnabel angepickt
Und sich ganz lasterhaft erquickt.

Nun hat sich dieser böse Näscher,
Gardinenschleicher, Mädchenhäscher,
Der manchen Biedermann gequält,
Am Ende selber noch vermählt.

Nun legt er seine Stirn in Falten,
Fängt eine Predigt an zu halten
Und möchte uns von Tugend schwatzen.

Ei, so ein alter Schlingel! Kaum
Hat er ’nen eignen Kirschenbaum,
So schimpft er auf die Spatzen.

Donnerstag, 15. April 2021
Immerhin

Mein Herz, sei nicht beklommen,
Noch wird die Welt nicht alt.
Der Frühling ist wiedergekommen,
Frisch grünt der deutsche Wald.

Seit Ururvätertagen
Stehen die Eichen am See,
Die Nachtigallen schlagen,
Zur Tränke kommt das Reh.

Die Sonne geht auf und unter
Schon lange vieltausendmal,
Noch immer eilen so munter
Die Bächlein ins blühende Tal.

Hier lieg ich im weichen Moose
Unter dem rauschenden Baum,
Die Zeit, die wesenlose,
Verschwindet als wie ein Traum.

Von kühlen Schatten umdämmert,
Versink ich in selige Ruh;
Ein Specht, der lustig hämmert,
Nickt mir vertraulich zu.

Mir ist, als ob er riefe:
Heija, mein guter Gesell,
Für ewig aus dunkler Tiefe
Sprudelt der Lebensquell.

Mittwoch, 7. April 2021
Der Einsame

Wer einsam ist, der hat es gut,
Weil keiner da, der ihm was tut.
Ihn stört in seinem Lustrevier
Kein Tier, kein Mensch und kein Klavier,
Und niemand gibt ihm weise Lehren,
Die gut gemeint und bös zu hören.
Der Welt entronnen, geht er still
In Filzpantoffeln, wann er will.
Sogar im Schlafrock wandelt er
Bequem den ganzen Tag umher.
Er kennt kein weibliches Verbot,
Drum raucht und dampft er wie ein Schlot.
Geschützt vor fremden Späherblicken,
Kann er sich selbst die Hose flicken.
Liebt er Musik, so darf er flöten,
Um angenehm die Zeit zu töten,
Und laut und kräftig darf er prusten,
Und ohne Rücksicht darf er husten,
Und allgemach vergißt man seiner.
Nur allerhöchstens fragt mal einer:
Was, lebt er noch? Ei, Schwerenot,
Ich dachte längst, er wäre tot.
Kurz, abgesehn vom Steuerzahlen,
Läßt sich das Glück nicht schöner malen.
Worauf denn auch der Satz beruht:
Wer einsam ist, der hat es gut.

Mittwoch, 31. März 2021
Genießer und Vegetarier

Busch war ein Genießer. Und vielleicht auch heimlicher Vegetarier?
Küche und Keller spielen im Werk Wilhelm Buschs durchgehend eine wichtige Rolle.
Alle kennen die von Max und Moritz geplagte Witwe Bolte, die in den Keller geht, um sich eine Portion Sauerkohl zu holen, „wofür sie besonders schwärmt,/Wenn er wieder aufgewärmt.“ viele Bücher und Aufsätze geschrieben worden, die sich mit dem Der Genießer Wilhelm Busch in seinem Werk wie in seinen über 1600 Briefen ist häufig beschrieben. In einem Gedicht-Brief an die Familie Keßler in Frankfurt am Main schildert er einen Tag in Wolfenbüttel: „…Und als ich im alten Wolfenbüttel/Bei Seit gestellt den Wanderknittel/Und mir so Alles rings besah —/Schau schau! da war auch der Frühling da. —/Drei Katzen saßen im Sonnenschein/Und blinzten so in den Tag hinein./Zwei Füllen sprangen kreuz und quer,/Hopphopp, auf dem weiten Hofe umher./Die Hähne krähten kikerikih!/Es gackert und schnattert das Federvieh,/Enten und Hühner weiß, roth und bunt./Und vor der Thür stand Hektor der Hund/Und war vergnügt und boll und boll,/Daß es von allen Wänden scholl. … Dann währt's nicht lang, so thät mir winken/Die Frühstückszeit mit Wurst und Schinken./Zu Mittag gab es Spargelsproßen,/Welche bei Nacht hervorgeschoßen./Aber beim Abendsonnenschein/Trug man den guten Wein herein.“
Aus vielen Briefen geht auch hervor, dass Busch ein großer Tierfreund war. Dass er dem Töten von Tieren durchaus kritisch gegenüberstand, wird besonders deutlich in einem Brief, den er 1889 an seinen Künstlerfreund Franz von Lenbach schrieb:
„Aber am Harz bin ich gewesen, neulich, als so viel Schnee in Wirbeln herunterfegte und auch das Dörflein verhüllte, wo ich mich aufhielt. Es war grausam gemüthlich. … Nur mal, noch ganz in dunkler Früh, wurd ich aufgeschreckt und schmerzhaft horchend wach erhalten durch die Wehklagen eines der vielen Schweine, welche der Genußsucht alljährlich zum Opfer fallen. Jetzt wird‘s herausgezerrt aus dem lieben, duftenden Stalle; jetzt liegt‘s geknebelt; jetzt der Stich; Nothwehr geboten und heftig ausgeübt; Blutverlust fast beruhigend, scheint‘s; dann aber erst recht, dicht vor der Todesgewißheit, der höchste, gräßlichste Unmuth; dann röchelnde Entsagung; zuletzt Stille mit Nachdruck. Die Metamorphose in Wurst kann beginnen. … Und dann, nach der höchsten musikalischen Offenbarung, geht man doch wieder leichtfertig seiner animalischen Nahrung nach, als ob man nichts gehört hätte, und als ob‘s keine Nachwelt gäbe, die, sagen wir mal im Jahre 10889, über ihre kannibalische Vorwelt recht abfällige Ansichten äußert; vermuthlich.“
(Wolfenbütteler Zeitung. Braunschweiger Zeitung. Aviso. 31.03.2021.)


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