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Busch-Blog

Von und über Wilhelm Busch

Dieser Blog ist dem niedersächsischen Dichter, Künstler, Erfinder der Graphic Novel und Weltweisen Wilhelm Busch gewidmet. Im Laufe der Zeit werde ich an dieser Stelle Texte aus verschiedenen seiner Werke, aber auch eigene Überlegungen zu Busch veröffentlichen.

Mittwoch, 8. Mai 2019
Otto Nöldeke, der Neffe von Wilhelm Busch, über seinen Onkel und Wolfenbüttel (1929)

Wilhelm Busch und Wolfenbüttel
Von Otto Nöldeke

Als ich aufgefordert wurde, über die Beziehungen zwischen meinem 1908 verdorbenen Onkel Wilhelm Busch und der alten Lessingstadt Wolfenbüttel eine kurze Abhandlung zu schreiben, suchte ich mein Gedächtnis aufzufrischen und mancherlei eigene, persönliche Erinnerungen zu erweitern und zu ergänzen durch das, was ich in meinem Busch-Archiv aus Anlaß des 70. und 75. Geburtstages 1902 und 1907, sowie beim Tode des Onkels mir aufbewahrt hatte.
Durch andere dringendere Arbeiten war ich Jahre lang verhindert, diese zahlreichen, in die Hunderte gehenden geschriebenen und gedruckten Zeugnisse jener frohen und ernsten Tage unseres Hauses durchzusehen. Ich fand manches in Briefen, Tageszeitungen und Monatsblättern, was über den Augenblick hinaus Wert und Bedeutung behalten dürfte, besonders in den Antworten, die Wilhelm Busch hie und da eigenhändig hinzugefügt hatte. Aber für meine gegenwärtige Arbeit war die Ausbeute nur sehr dürftig und gering.
Zuvor haben auch die in Wolfenbüttel und Braunschweig erscheinenden Tageszeitungen und Monatsschriften Fest- und Gedächtnisartikel aus Anlaß jener Ereignisse gebracht. Es wird darin vom äußeren Lebenslauf des Dichter-Humoristen allerlei erzählt. Es wird das damals schon ziemlich abgeschlossene Lebenswerk des „lachenden und zeichnenden Philosophen“, des „Einsiedlers von Wiedensahl“ eingehend gewürdigt. „Busch ist ein Doppelkünstler“ — so heißt es einmal — „und wie es bei solcher zwiefachen Betätigung geht: die Zeichner sehen in ihm den größeren Dichter, die Dichter den größeren Zeichner. Ein untrüglicher Beweis, daß er wirklich beides ist. Busch ist gewiß Skeptiker und Pessimist, aber doch keineswegs der erbarmungslose Philisterhasser wie die zeichnenden Bohemiens des modernen Frankreich. Er hat hie und da eine Träne im Auge, die er sich dann weglacht. Er setzt das ganze menschliche Dasein unter Witz und erhebt sich damit zu einer allgemeinen Weltironie.“ Diese Beurteilung wird durch mancherlei Proben zeichnerischer und dichterischer Art aus den Werken Wilhelm Buschs belegt.
Aber außer einer kurzen Bemerkung, daß der Dichter fast in jedem Sommer einige Zeit im Forsthause zu Wolfenbüttel geweilt habe, wird von seinen Beziehungen zu dieser Stadt nichts gesagt. Das mochte für einen Fernerstehenden auch nicht so leicht fein; denn, wenn Wilhelm Busch auch oft und gern in Wolfenbüttel war, so war er dort wie anderswo der gewöhnlichen Geselligkeit durchaus abhold; er liebte es nicht, ausgefragt oder gar auf seine Werke angeredet zu werden. Nur wenige Bevorzugte sind ihm bei diesem jährlichen Aufenthalt näher getreten. In weiteren Kreisen hat man oft nichts von seiner Anwesenheit gewußt oder ihn für einen menschenscheuen Sonderling gehalten. Aber vergessen hatte man es doch nicht, daß eben um dieser regelmäßigen, oft lange dauernden Besuche willen Wilhelm Busch mit der alten Lessingstadt in besonderer Weise zusammen gehört. Im Jahre 1912 wurde an dem Hause Neuer Weg 4 eine Gedenktafel enthüllt, die besagt: „Hier weilte alljährlich zu feiner Erholung Wilhelm Busch in den Jahren 1862—1887.“ In jüngster Zeit hat man auch eine neue Straße in dieser Gegend nach seinem Namen genannt.
Die Gedenktafel und die im Kreise der Freunde und Verehrer Wilhelm Buschs damals bei der Enthüllung gehaltene Festrede weist ganz mit Recht darauf hin, daß es Wochen und Monate der Erholung gewesen find, die der Dichter-Humorist, der Zeichner und Maler in Wolfenbüttel zubrachte. Aus eigenen Zeugnissen Buschs werden wir noch mehr davon hören, wie besonders sein Malen in Öl hier zu voller Auswirkung gekommen ist; in einem einfachen Bretterhaus, das er sich hatte bauen lassen, konnte er Arbeiter, Gemüsefrauen und, was ihn sonst an menschlichen Gestalten interessierte, abkonterfein. Auch seine Skizzenbücher weisen manche Zeichnung auf, die in Wolfenbüttel entstanden ist.
Da kann man es verstehen, wenn hier wie anderswo die Ansicht aufkam und sich zu ganz bestimmten Behauptungen verdichtete: die Züge bekannter Persönlichkeiten der Stadt fänden sich in Wilhelm Buschs Bildergeschichten wieder; die Figuren, die er da gesehen und gezeichnet, hätte er so ohne weiteres in die Galerie feiner denkwürdigen Gestalten eingereiht. „Julchens Schulkameraden und Verehrer“, „Dietchen Klingebiel“, „Ferdinandchen Mickefett“, „Peter Sutitt, frech und dick“, „Försters Fritze, blond und kraus“ — oder aus den „Haarbeuteln“, „Bauer Bunke“, „Fritze der Ladenjüngling mitsamt der „alten Grete“ — und wie sie sonst noch heißen, wie sie aussehen, was sie ausüben und erleiden mögen, sie sollen, wie man sich damals gern in Wolfenbüttel erzählt haben mag, in den dortigen Straßen, Wirtshäusern und Kaufmannsläden ihre Urbilder gehabt haben. Meint man damit, daß die von Wilhelm Busch in seinen Werken dargestellten und gegeißelten menschlichen Schwächen und Leidenschaften auch in Wolfenbüttel vertreten waren, so trifft das gewißlich zu. Aber daß er unmittelbar solche stadtbekannten Typen in seinen Zeichnungen wiedergegeben hätte, muß als unzutreffend abgelehnt werden.
Die bekannten Gestalten, die fromme Helene, Vetter Franz, Julchen, Maler Klecksel und alle die anderen sind nicht in Wolfenbüttel zu suchen, wo keins dieser Werke geschaffen wurde; aber auch ebensowenig in Wiedensahl, wo sie größtenteils entstanden sind und wo man Ähnliches erzählt. Wie oft bin ich gefragt, ob ich denn nun Max oder Moriz, ob ich Franz oder Fritz (in Bad am Samstag Abend) wäre. Als der Onkel diese Gestalten schuf, dachte ich noch nicht an Hühnerschmaus und Kampfgedränge in einer Badewanne. Maßgeblich ist gegenüber allen diesen zur größeren Ehre eines Ortes erfundenen Märlein die klare, entschiedene Bemerkung Wilhelm Buschs in seiner Selbstbiographie „Von mir über mich“, wo er im Rückblick auf die Münchener Zeit den Künstlerverein und sein Karikaturenbuch erwähnt: „wo man sang und trank und sich nebenbei karikirend zu necken pflegte. Auch ich war solchen persönlichen Späßen nicht abgeneigt. Man ist ein Mensch und erfrischt und erbaut sich gerne an den kleinen Verdrießlichkeiten und Dummheiten anderer Leute. Selbst über sich selber kann man lachen mitunter, und das ist ein Extrapläsir, denn dann kommt man sich sogar noch klüger und gedockener vor als man selbst. Lachen ist ein Ausdruck relativer Behaglichkeit. Der Franzl hinterm Ofen freut sich der Wärme um so mehr, wenn er sieht, wie sich draußen der Hansel in die rötlichen Hände pustet.“ Dann aber fährt Busch fort: „Zum Gebrauch in der Öffentlichkeit habe ich nur Phantasiehanseln genommen. Man kann sie auch besser herrichten nach Bedarf und sie eher sagen und tun lassen, was man will.“ Und ähnlich sagt er über Entstehung und Wert der „kontinuirlichen Bildergeschichten“: „Wer sie freundlich in die Hand nimmt, etwa wie Spieluhren, wird vielleicht finden, daß sie, trotz bummlichten Aussehens, doch teilweise im Leben geglüht, mit Fleiß gehämmert und nicht unzweckmäßig zusammengefegt find. Fast sämtlich sind sie in Wiedensahl gemacht, ohne wen zu fragen, ausgenommen ein allegorisches Tendenzstück und einige Produkte des drängenden Ernährungstriebes, zum Selbstpläsir.“ Das wollen wir nicht vergessen und, wenn jene Gedenktafel sagt, daß Wilhelm Busch in Wolfenbüttel alljährlich zu seiner Erholung weilte, so trifft sie das Richtige; nach Wochen und Monaten angestrengten, fleißigen Schaffens, die der Zeichner und Dichter in der Wiedensahler Einsamkeit zubrachte, kam die Zeit der Ausspannung und Erholung, meistens durch eine Reise nach Wolfenbüttel; Erholung bedeutete aber für Wilhelm Busch nicht Untätigkeit und Nichtstun; Erholung brachte ihm die erst nach feinem Tode bekannt gewordene Ölmalerei. Dazu hatte er sich in den 70er Jahren in Wolfenbüttel auf dem Grundstück beim Forsthaufe ein Atelier erbauen lassen, wie die jetzigen Besitzer dieses Grundstücks mir schreiben: „Eine einfache Bretterbude diente Wilhelm Busch als Malraum. Pietätvoll wurde sie geschont und mehrfach vor Neubauten bei Seite gefegt, bis sie vor einigen Jahren, weil ganz baufällig, einen neuen Transport nicht mehr aushielt und zusammenfiel.“ So ist dieses äußere Zeichen der langjährigen Beziehungen Wilhelm Buschs zu Wolfenbüttel verschwunden, aber jene Gedenktafel erhält die Erinnerung daran lebendig.
Das Haus, an dem sie angebracht ist, sagt uns, wie Wilhelm Busch 1862 zum ersten Male und von da an immer wieder nach Wolfenbüttel gekommen war; und da kann ich nun aus eigenen Erinnerungen und denen meiner Familie Näheres berichten. In diesem Hause wohnte bis kurz vor seinem 1888 erfolgten Tode Gustav Busch, ein jüngerer Bruder des Dichters. Er hatte ursprünglich Seemann werden wollen.
Die erste größere Fahrt auf einem Segelschiff hatte ihn bis nach Odessa geführt. Meine Mutter, die an Lebensjahren zwischen diesen beiden Brüdern stand, erzählte davon, wie der jugendliche Bruder Seemann im strengen Winter heimgekehrt war, mit halb erfrorenen Händen und Füßen. Als die Frost- und Eiterbeulen glücklich auskuriert waren, war Gustav Busch auch von seiner Seemanns-Abenteurerlust kuriert. Er wurde Landwirt, kam um 1860 als Verwalter auf das Rittergut Linden bei Wolfenbüttel, verlobte und verheiratete sich 1863 mit Alwine Knust, einer Tochter des Fuhrhalters Knust, dem das Forsthaus mit Gastwirtschaft gehörte. Nachdem dieser Betrieb in anderen Besitz übergegangen war, wohnte die Familie Busch in dem Hause nebenan, an dem 1912 die Gedenktafel angebracht ist. Es zeugt von dem Unternehmungsgeist und Weitblick Gustav Buschs, daß er hier zusammen mit dem Gärtnereibesitzer Karl Beddig 1872 eine Konservenfabrik gründete. Die Gärtnerstadt Wolfenbüttel, die Lage des Grundstücks vor dem Herzogtor inmitten der zahlreichen Gärtnereien war dazu wie geschaffen. Aber, wie in der Festschrift der jetzt noch bestehenden Firma Busch, Barnewitz & Co. geschildert wird, fehlte den unternehmungsluftigen ersten Gründern die nötige Fachkenntnis. Fast die ganze Fabrikation des ersten Jahres verdarb. Mein Onkel Wilhelm Busch hatte das in Wolfenbüttel mit erlebt. Er konnte anschaulich davon erzählen: wie die verderbenden Gemüsekonserven, Erbsen, Bohnen, Spargel die Büchsen gesprengt hätten; wie die Familienglieder im abendlichen Dunkel die verdorbenen Sachen im Garten eingegraben hätten, um den Fehlschlag vor Nachbarn und Arbeitern zu verbergen; wie aber kurz nachher an den Grabestellen größere und kleinere Krater und feuerspeiende Berge entstanden wären, die ihren gärenden Inhalt doch ans Tageslicht empor gebracht hätten. Nach diesem ersten Fehlschlag wandte man sich nach der Konservenstadt Lübeck um Rat und Hülfe. Der dort schon ausgebildete kaufmännische und technische Sachverständige Otto Barnewitz, ein mecklenburgischer Pfarrerssohn, kam nach Wolfenbüttel, und im Jahre 1873 wurde mit ihm zusammen die neue Firma gegründet; im Besitz seiner Nachkommen ist noch heute die im Lauf der Jahre vergrößerte und immer wieder neuzeitlich umgestaltete Konservenfabrik, nachdem 1888 Gustav Busch und Karl Beddig gestorben und später deren Erben ausgeschieden waren. Gustav Busch hatte bis zu seinem Tode auch die alte Fuhrhalterei seines Schwiegervaters weitergeführt. So war auf dem Hof und dem ganzen Grundstück mit dem alten Wohnhaus und der Fabrik viel Leben und Treiben, Kommen und Gehen, an dem der Zeichner und Maler Wilhelm Busch seine Freude haben konnte.
Oft ist er in Wolfenbüttel gewesen; manche frohe Stunde habe auch ich dort mit ihm verlebt, und mancherlei Erinnerungen aus jenen fernen Tagen steigen vor mir auf. Einst, in der Dämmerung, wollte der Onkel Gustav in seinem Jagdrevier auf den Anstand gehen; der Onkel Wilhelm und ich begleiteten ihn, blieben dann aber am Waldrande zurück; auch mit einem Gewehr bewaffnet, obwohl wir beide keine Jäger und keine großen Schützen waren. Es würden sich vielleicht in dem hügeligen Heidegelände, das vor dem Walde sich hinzog, wilde Kaninchen zeigen, war uns gesagt; davon sollten wir nur eins schießen. Bald kamen auch welche, die wir mit großem Interesse beobachteten. Schließlich erhob der Onkel Wilhelm das Gewehr an die Backe, zielte auf ein im Dämmerlicht deutlich noch zu sehendes Tier, drückte los und, als der Rauch sich verzog, purzelten die Kaninchen hierhin und dorthin; getroffen war keins. Wir mußten herzlich lachen, und der Onkel meinte, dies würde wohl lein erstes und letztes Jagderlebnis bleiben.
Nun aber will ich Wilhelm Busch selber zu Worte kommen lassen; in Briefen, die er in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts geschrieben hat, z. T. an seinen Jugendfreund, den Mühlenbesitzer Erich Bachmann in Ebergötzen bei Göttingen, z. T. an Frau Maria Anderson, eine holländische Schriftstellerin, die nach einem Gedicht Wilhelm Buschs gefragt hatte und dann längere Zeit mit ihm korrespondierte. (Wilhelm Busch an Maria Anderson. Siebzig Briefe. Verlag Lothar Joachim in Leipzig.) Aus diesen Briefen geht hervor, daß Wilhelm Busch 1875 vom 8. April bis 11. Juni etwa in Wolfenbüttel weilte und in demselben Jahr nach der Vollendung der „Abenteuer eines Junggesellen auch wieder den September durch. Auch hören wir, daß er Silvester und Neujahr dort verlebte, wie er es lange Zeit hindurch, auch nach des Bruders Tode noch, beibehalten hat.
Wolfenbüttel, 26. April 75.
Meine liebe Frau Anderson!
Wolfenbüttel — ehemals Residenz, anitzo zweite Stadt des Herzogthums Braunschweig — berühmt durch seine Bibliothek, berühmter noch durch seinen einstmaligen Bibliothekar Lessing. — Wolfenbüttel zieht mich wenig an. Ich wohne auf dem Forsthause, vor dem Thor der Stadt gelegen. Dieses Forsthaus, im grauen Alterthum ein wirkliches Forsthaus, ward später Wirtshaus und Posthalterei. Eine Tochter des letzten Pofthalters hat einen meiner vier Brüder geheirathet. Er verkaufte die Wirtschaft, behielt den größten Theil des Grundstücks zurück und hat darauf eine Confervenfabrik angelegt. In seinem Keller liegt guter Rheinwein und guter Champagner; rings ums Haus liegen Obstgärten. Den Wein genieß ich nach Belieben; auf die Blüthen muß ich, scheint‘s, noch warten; denn kalt ist die Luft und bitterkalt der Wind. Ich trinke kein Bier, ich spiele keine Karten, ich liebe keine philisterhafte Geselligkeit. Drum — was schert mich Wolfenbüttel, die Stadt?? — Dies zur Ausbildung Ihrer geographischen Kenntnisse; für welche Wohlthat ich Ihrer herzlichen Dankbarkeit entgegen sehe. —
Wolfenbüttel, 1. Mai 75
Mein lieber Erich!
Ich will Dir wenigstens durch ein paar Worte mittheilen, daß ich noch hier bin und auch noch einige Wochen bleiben werde. Ich habe mir so eine Art von Gartenhaus gebaut mit Nordlicht, so daß ich drin malen kann. An Modellen fehlt es mir nicht, weil auf meines Bruders Hofe allerlei Leute zu thun haben, die ich nur herein zu rufen brauche. — Der Frühling will noch immer nicht recht kommen. Es fehlt an Regen; drum ist von Grün nur wenig zu sehen. Aber meine Schwägerin hat wenigstens heute Morgen die ersten zwei Spargel gestochen.
Wolfenbüttel, 19. Mai 75.
Liebe Frau Anderson!
Das ist nur nicht so, daß Sie immer alles Gute für sich allein haben! Bei uns ist jetzt auch der volle und wahrhaftige Frühling gekommen. Da sitzen wir des Abends im Gärtchen unter dem alten Birnenbaum; der säuselt dann so leise vor sich hin und läßt seine Blüthen herunter sinken, und manchmal fällt mir eine in den Wein hinein. Ganz fern im Stadtgraben da quacksen die Frösche; von den Linden herüber, die auf dem Walle stehen, quinquiliren und seufzen die Nachtigallen. Nach alledem wie duselt man so gut und gottergeben in sein Bett hinein. Ganz dicht dabei, in der Wand, pickt immer eine Totenuhr. — Was thut‘s! — Haben wir nicht, Gott sei's geklagt, noch siebenmillionendreimalhundertachtundneunzigtaufendsechshundertundzweiundzwa-nzigdreiviertel Jahre ganz unverbraucht vor unserer Nase liegen? Wird man aus einem Leben herausgeklopft, huscht man ins andere wieder ‘nein. —
Wolfenbüttel, den 27. Mai 75.

Liebe Frau Anderson?
Sie mögen gern Thiere leiden; ich auch. — Des Morgens um halb sechs werden die Hühner gefüttert und der schlanke Pfau mit dem Krönchen auf und dem Gefieder von Gold und Edelstein. Das ist der Vornehmste. Er pickt nur wenige Körner; dann gehts trrrrr! und ein Fächer von tausend Liebesaugen flimmert in der Morgensonne. Das zittert und trippelt und macht mit den Flügeln! Aber die alten Hühnertanten kucken nicht hin, sondern hacken mit ihren harten, knöchernen Nasen im Sande weiter. Er muß wohl ein verwunschener Prinz oder ein metamorphosierter Olympier sein; denn wenn die Frau Brückner, das kleine Waschweibchen, auf den Hof kommt, so fliegt er auf ihren Rücken und faßt sie ganz ordentlich und regelrecht beim Zopfe an. Wenn sie nur nicht nächstens das Eierlegen anfängt. Wenigstens schnattern und gackern thut diese Madam Leda genug! —
Neulich pusselt Nachbar Mumme mit dem Spaten in seinem Garten herum, dicht bei den Stachelbeerbüschen. Auf einmal springt ein fremder Hund heraus und knurrt und will nicht weg und zeigt die Zähne. „Der Hund ift toll“, so heißt es gleich. Man holt die Flinte — bum! Die Kugel geht dem Hunde durch den Kopf, er streckt sich aus und stirbt. — Wie man genauer zusieht, liegen drei ganz kleine neugeborene Hündchen im Gebüsch. — (Im Jahre 1899 hat W. B. dies Ereignis in einem Gedicht geschildert „Der fremde Hund“ — veröffentlicht in „Schein und Sein“, Verlag Joachim in Leipzig.) —
Wolfenbüttel, 6. Septr. 75.

Mein lieber Erich!
Am 28. August habe ich die letzten von 150 kleinen Zeichnungen an die Holzschneider abgeliefert. Nun werden mir allmählich die Probeabzüge eingeliefert; sind welche dabei, die gar zu schlecht find, so muß ich die Zeichnung noch mal machen. Das ist eine unbehagliche Zeit. Im Oktober kommen die Correcturbogen vom Drucker. Ich habe versprochen, dann nach Heidelberg (Wohnort des Verlegers Bassermann) zu kommen. Bis dahin bleibe ich hier, wenn nichts Besonderes dazwischen kommt. — Hier herum ist Kriegsschauplatz. Nächsten Freitag wird mein Bruder auch Einquartierung kriegen. Seine Conserven gehen sehr gut. Er hat z. B. dies Jahr 20 000 Büchsen Erbsen einkochen lassen und bereits alle verkauft. —
Wolfenbüttel, 1. Oct. 75.
Mein lieber Erich!
Ich habe die schönen Herbsttage hier recht behaglich verlebt. Nur eine traurige Störung kam dazwischen. Der Schwiegervater meines Bruders, der alte Knust, ein stets vergnügter Gesellschafter, mit dem ich auch so manche angenehme Stunde verlebt — erkrankte plötzlich, erholte sich wieder, dann kam ein neuer Rückfall, und in ein paar Stunden war er todt. Wir hatten kürzlich feinen siebzigsten Geburtstag noch sehr luftig gefeiert. —
[…]
Diesen Briefen, die in Wolfenbüttel geschrieben sind oder sich auf die dortige Erholungszeit beziehen, füge ich noch ein Gedicht hinzu, das Wilhelm Busch 1883 in Wolfenbüttel als Widmung mit einem Kochbuch zur Hochzeit an G. F. (Grete Fehlow), eine Verwandte der Familie Knust, verfaßte:
Es wird behauptet und mit Grund,
Ein nützlich Werkzeug sei der Mund!
Zum ersten läßt das Ding sich dehnen
Wie Guttapercha, um zu gähnen. Ach, Grete, wenn du dieses mußt,
Tu‘ es im Stillen und mit Lust!
Zum zweiten: Wenn es grad von Nöten,
Kann man ihn spitzen, um zu flöten.
Sitzt dann der Schatz auch mal allein,
Dies wird ihm Unterhaltung sein!
Zum dritten läßt der Mund sich brauchen,
Wenns irgend passend, um zu rauchen.
Dies kannst du deinem guten Gatten,
Der darum bittet, wohl gestatten.
Zum vierten ist es kein Verbrechen,
Den Mund zu öffnen, um zu sprechen.
Vermeide nur Gemüthserregung,
Sprich lieber sanft mit Überlegung,
Denn mancher hat sich schon beklagt:
„Ach, hätt‘ ich das doch nicht gesagt!“
Zum fünften: Wie wir alle wissen,
So eignet sich der Mund zum Küssen.
Sei‘s offen oder sei‘s verhohlen,
Gegeben oder nur gestohlen,
Ausdrücklich oder nebenher,
Bei Scheiden oder Wiederkehr,
Im Frieden und nach Kriegeszeiten:
Ein Kuß hat feine guten Seiten!
Zum Schluß jedoch nicht zu vergessen:
Hauptsächlich dient der Mund zum Essen!
Gar lieblich dringen aus der Küche
Bis in das Herz die Wohlgerüche.
Hier kann die Zunge fein und scharf
Sich nützlich machen, und sie darf!
Hier durch Gebrötel und Gebrittel
Bereitet man die Zaubermittel
In Töpfen, Pfannen oder Kesseln,
Um ewig den Gemahl zu fesseln.
Von hier aus herrscht mit schlauem Sinn
Die Haus- und Herzenskönigin. —
Lieb‘s Gretchen! Halt dich wohlgemuth,
Regiere mild und — koche gut!
Indem ich nun zum Schluß komme, möchte ich noch eine Frage aufwerfen, die sich bei den Beziehungen zwischen Wilhelm Busch und Wolfenbüttel uns nahe legt: hat auch eine persönliche Beziehung zwischen Wilhelm Busch und Wilhelm Raabe bestanden? Dieser war freilich 1862 von Wolfenbüttel nach Stuttgart gegangen, aber 1870 wieder zu dauerndem Aufenthalt nach Braunschweig zurückgekehrt. Gesehen und kennen gelernt haben sich die beiden in ihrem Wesen und Humor doch vielfach verwandten großen Niederfachsen nicht. Wilhelm Busch kam erst in Mechtshausen, wo er in unserem Haufe seinen Lebensabend von 1898 bis 1908 zubrachte, dazu, die Werke Raabes zu lesen. Besonders schätzte er dessen Erstlingswerk „Die Chronik der Sperlingsgaffe“. Wilhelm Raabe hat zu der 1902 erschienenen Festnummer der Münchener „Jugend“ zum 70. Geburtstage seines Landsmannes einen der feinsten Beiträge geliefert mit dieser Würdigung:
„Ein Wohlthäter.
Die Menschen zum Weinen zu bringen, ist leicht; auch sie zum Lachen zu bringen nicht schwer. Aber wenn der Unterschied zwischen einem Weinen und dem anderen nur gering ist, so ist er um so größer zwischen einem Lachen und einem anderen Lachen.
Welch‘ ein Wohlthäter der Mann, der da den Millionen zu dem rechten Lachen verhilft! und — zum Lächeln, dem herzfrohen Lächeln, dem Besten, was der humoristische Poet mit Griffel und Stift der armen geplagten Erdenbrüderschaft abgewinnen, abringen kann!
Wer hat da Stift und Feder besser geführt als der Einsiedler zu Wiedensahl? Wer hat so Grund, dankbar zu fein für die Gaben, die ihm ‚Gott-Natur‘ verliehen hat zum Weitergeben?“ —
Ich denke, auch in Wolfenbüttel hat Wilhelm Busch dieses Weitergeben der ihm verliehenen Gaben in mancher Erholungszeit früherer Jahrzehnte geübt, und wird er auch fernerhin um dieses Dienstes willen nicht vergessen werden.

Otto Nöldeke (1867–1948), der Neffe Wilhelm Buschs, über seinen Onkel.
Aus: Die Lessingstadt Wolfenbüttel und ihre Dichter Lessing – Raabe – Busch. Wolfenbüttel: Heckner 1929. S. 914–106.


Dienstag, 30. April 2019
Wilhelm Busch & Co. 2. Wolfenbütteler Comicpreisvergabe

Wilhelm Busch & Co. – Der Wolfenbütteler Comicpreis
Preisverleihung am 26. April 2019 im SchmidtTerminal

Warum ein Wolfenbütteler Busch-Preis?
Kurzvortrag

Dr. Georg Ruppelt

Wilhelm Busch ist der weltweit bekannteste niedersächsische Dichter. Max und Moritz wurde in über 320 Sprachen übersetzt, und er gilt als einer der Erfinder des Comics. Busch’ geniale Kombination von Wort und Bild greift den neuen medialen Techniken des 20. Jahrhunderts vor bzw. beflügelt sie: die bewegten Bilder des Films wie die neue Kunstform des Comics.
Das alles ist bekannt; kaum bekannt hingegen ist, dass Busch sich oft in Wolfenbüttel aufgehalten hat. Fast drei Jahrzehnte lang besuchte er seinen Bruder Gustav, Gastwirt und Inhaber einer Konservenfabrik, zur „Sommerfrische“. In einem für ihn errichteten Gartenhaus-Atelier malte und zeichnete er. Bis zum Tode des hiesigen Bruders feierten die Busch-Brüder auch das Neujahrsfest gemeinsam in Wolfenbüttel.
Hier ein Zitat aus einem schönen Gedicht über Wolfenbüttel im Frühling, das an viele seiner Zeich-nungen erinnert, die er hier gefertigt hat:

„Doch weiter fuhr ich, immer weiter;
Die Sonne ging auf, der Himmel ward heiter;
Und als ich im alten Wolfenbüttel
Beiseit gestellt den Wanderknittel
Und mir so alles rings besah -
Schau, schau! Da war auch der Frühling da.“

Diesen genialen niedersächsischen Künstler Wilhelm Busch gilt es, für Wolfenbüttel neu zu entdecken! Und zwar im Bereich der Kunstform, die trotz ihrer weltweiten Anerkennung und ihrer Riesenerfolge von vielen noch verachtet wird, den Comics. Mit dieser gar nicht mehr so neuen Kunstform kann man die Jugend direkt erreichen – was auch mit unserer heutigen Veranstaltung bewiesen wird.
Um Wilhelm Busch wieder enger mit Wolfenbüttel in Verbindung zu bringen und ihn an die Jugend heranzuführen, wurde der Wolfenbütteler Comicpreis Wilhelm Busch & Co. gestiftet. Schulklassen aller Schulformen ab der 8. Klasse und einzelne Jugendliche bis zum Alter von 20 Jahren konnten sich an dem Preisausschreiben beteiligen. Gesucht wurden für zum zweiten Mal ausgeschriebenen Wettbewerb Comics zum Thema Alltagshelden.

Und heute ist der große Tag, an dem die Preisträger vorgestellt werden, auf die wir alle gespannt sind! Mitmachen konnten Schüler ab der 8. Klasse bis zum Alter von 20 Jahren. Einzeln oder auch als ganze Schulklasse. In diesem Jahr haben sich sehr viel mehr Jugendliche als beim ersten Mal beteiligt – auch über die Landkreisgrenzen hinweg.
Prämiert werden die drei besten Einsendungen mit je 500, 300 und 200 Euro. Der beste digitale Comic erhält einen Sonderpreis in Höhe von 500 Euro. Unter allen teilnehmenden Klassen werden außerdem Klassenfahrten nach Hannover mit Besichtigung des Museums Wilhelm Busch, dem Deutschen Museum für Karikatur und Zeichenkunst, und einem Empfang durch den Vizepräsidenten des Niedersächsischen Landtages mit anschließender Führung vergeben. Die Sieger-Klassen erhalten zudem je 500 Euro für die Klassenkasse.

Wir danken den Sponsoren, die den Wolfenbütteler Comicpreis durch ihre großzügige Förderung erst möglich gemacht haben. Hier sind insbesondere die Curt Mast Jägermeister Stiftung, die Braun-schweigische Landessparkasse, die Galerie Jaeschke, die Wolfenbütteler Wirtschaftsgespräche und die Agentur Kreativburschen zu nennen.


Der Wettbewerb mit seinen Preisen folgt auch der Maxime ihres Namensgebers Wilhelm Busch, der meinte:

„Ein Onkel, der Gutes mitbringt, ist besser als eine Tante, die bloß Klavier spielt.“

Mittwoch, 6. März 2019
Krach um Wilhelm Busch II

Georg Ruppelt:
Aviso. Als Lausbuben noch Autofahrer warnten. In: Wolfenbütteler Zeitung. Braunschweiger Zeitung. 6. März 2019.

Im letzten Aviso hatten wir über einen Spiegel-Artikel aus dem Jahr 1952 berichtet, der Werbemaßnahmen des Verkehrsvereins Wolfenbüttel zum Gegenstand hatte. Unter Verwendung von Zeichnungen und Versen Wilhelm Buschs hatten Dr. Heinz Grunow und Lothar Heinemann Werbemittel verschiedenster Art gestaltet und herstellen lassen. Hinzu kam ein Puppenspiel „Max & Moritz“ von Heinz Grunow. Max und Moritz ersetzten auch als Pappfiguren einen Totenkopf, der bis dahin am Lechlumer Holz an der Einfahrt in die Stadt als Verkehrswarnung gedient hatte. Die beiden Lausbuben warnten die Ankommenden nun mit dem Grunow‘schen Vers „Fahr langsam durch die schöne Stadt,/Sonst setzen wir dich hier schachmatt.“
Diese Text- und Graphik-Mixturen aus Busch, Grunow und Heinemann riefen den Busch-Verlag Braun & Schneider aus München auf den Plan, der die „originalen Nachschöpfungen“, so Grunows Bezeichnung seiner Texte, als so schlecht bezeichnete, dass sie dem Werk von Wilhelm Busch Abbruch tun könnten. Vor allem verstießen sie aber gegen das Urheberrecht, nach dem (damals) die Rechte an einem Werk erst 50 Jahre (heute 70) nach dem Tod des Autors erlöschten. Wilhelm Busch war 1908 gestorben.
Nach einer zweiten Verhandlung vor dem Braunschweiger Landgericht nahmen die beiden Parteien schließlich den Vergleichsvorschlag des Gerichtes an. Die „Wolfenbütteler Zeitung. Wolfenbütteler Stadt- und Kreis-Nachrichten. Schöppenstedter Tagesspiegel. Hornburger Anzeiger. Gegr. 1786“ berichtete am 5. Juni 1952 unter der Überschrift „Allerletzter Streich von Max und Moritz“ über den Vergleich folgendes. Die Wolfenbütteler Beklagten hätten sich verpflichtet, bis zum Ablauf des Busch-Urheberrechts 1957 sämtliches Material nicht mehr herzustellen oder zu vertreiben. Die Werbeprospekte und die Münzen würden bis zum 31. Oktober 1952 aufgebraucht. Das Puppenspiel von Heinz Grunow dürfe bis zum Ablauf der Schutzfrist nur mit Genehmigung des Verlages aufgeführt werden. Die beiden „Verkehrsschilder“ am Lechlumer Holz, die mit den Busch-Figuren verziert seien, dürften stehen bleiben. Der Verkehrsverein habe an die Wilhelm-Busch-Gesellschaft in Hannover einen Betrag von 300 DM zu zahlen. Max und Moritz aber, so die Zeitung, bedankten sich beim „Verkehrsverein, der ihnen in den Tagen der Prozesse zu neuen comeback-Ehren verhalf“.

Mittwoch, 27. Februar 2019
Krach um Wilhelm Busch

Georg Ruppelt:
Aviso. Krach um Wilhelm Busch in Wolfenbüttel.
In: Wolfenbütteler Zeitung. Braunschweiger Zeitung. 27. Februar 2019.

Wer sich mit den Suchbegriffen „Wilhelm Busch“ und „Wolfenbüttel“ in das Archiv von „Spiegel-online“ begibt, stößt unter der Rubrik „Werbung“ und der Überschrift „Wilhelm Busch. Ging ihm wider die Natur“ auf den Bericht über einen kuriosen Rechtsstreit. Er wurde 1952 vor der 10. Kammer des Landgerichts Braunschweig an zwei Terminen zwischen dem Münchener Verlag Braun & Schneider und der Stadt Wolfenbüttel ausgetragen.
Den Anfang beschreibt der Spiegel als „achten Streich“ von Max und Moritz, der auf eine Idee der Wolfenbütteler Gastwirte zurückzuführen sei. Ihnen sei der Gedanke gekommen, den „lächelnden Weisen von Wiedensahl“ in die Wolfenbütteler Fremdenverkehrswerbung einzuschalten. Dr. Heinz Grunow (1913–1989), Jurist, ehrenamtlicher Verkehrsdirektor, 36 Jahre lang Geschäftsführer des Kulturbundes und Heimatschriftsteller gefiel diese Idee gut, und man setzte sie zum 120. Geburtstag des weltberühmten Dichters und Zeichners um.
Unter dem Motto „Werbe mit Wilhelm Busch!“ gestalteten Grunow und der Wolfenbütteler Graphiker Lothar Heinemann eine Anzahl von Werbemitteln. So entstanden zwei Ausführungen von 200.000 runden, farbigen Papiertellern. Auf dem einen ist die Witwe Bolte nachempfunden, die bei Busch mit einem leeren Teller in den Keller steigt, „Daß sie von dem Sauerkohle/Eine Portion sich hole,/Wofür sie besonders schwärmt,/Wenn er wieder aufgewärmt“.
In der Heinemann‘schen Ausführung hält die Witwe in der rechten Hand einen Teller mit einer Portion Spargel, in der linken eine Flasche Jägermeister. Umrahmt ist der Teller von dem Vers „Dieses ist die Witwe Bolte,/Die sich hier vom Schmerz erholte.“ Bei Busch heißt es: „Als die gute Witwe Bolte/Sich von ihrem Schmerz erholte.“
Der andere Teller hat mit Wilhelm Busch nichts zu tun. Um ein Bild, auf dem ein Junge einen anderen auf einer Sonnenblume sitzenden und lesenden Jungen mit einer Gießkanne beträufelt, liest man: „Die Heiterkeit zum Erdenleben/Kann dir nur Wolfenbüttel geben.“ Dabei sollte die Sonnenblume die Gärtnerstadt und das Buch die Bibliotheksstadt Wolfenbüttel symbolisieren. Diese Motive gab es auch als Münzen (10 000), Autoaufkleber (2000) und Werbeplakate (100).
Wie der „achte Streich“ weiterging, lesen Sie im nächsten Aviso.

Aviso. Krach um Wilhelm Busch in Wolfenbüttel. In: Wolfenbütteler Zeitung. Braunschweiger Zeitung. 27. Februar 2019.




Mittwoch, 20. Februar 2019
BIENEN


Imkerei
Pastor Georg Kleine, der ab 1841 die Erziehung seines damals neunjährigen Neffen übernahm, war passionierter Imker. Es ist also kein Wunder, dass sich auch Wilhelm Busch intensiv mit den Bienen beschäftigte. Bei einem längeren Aufenthalt bei seinem Onkel im Jahre 1853 fasste er sogar den Entschluss, als Bienenzüchter nach Brasilien (dem Dorado der Imkerei) auszuwandern. Zum Glück setzte er diesen Plan nie in die Tat um, sonst wären all die berühmten Bildergeschchten wie "Max und Moritz" und "Die fromme Helene" nie entstanden.

In seiner Autobiographie "Von mir über mich" schreibt Wilhelm Busch dazu:

Von Wiedensahl aus besucht' ich auf längere Zeit den Onkel in Lüethorst. Ein Liebhabertheater im benachbarten Städtchen zog mich in den angenehmen Kreis seiner Tätigkeit; aber ernsthafter fesselte mich das wundersame Leben des Bienenvolkes. Es hatte sich grad um einen Grundsatz der Wissenschaft, nämlich, daß nur aus einem befruchteten Ei ein lebendes Wesen entstehen könne, ein Streit erhoben. Ein schlichter katholischer Geistlicher wies nach, daß die Bienen eine Ausnahme machten. Mein Onkel als gewandter Schriftsteller und guter Beobachter ergriff seine Partei und beteiligte sich lebhaft an dem Kampfe. Der Wunsch und Plan, nach Brasilien auszuwandern, dem Dorado der Imker, hat sich nicht verwirklichen sollen. Die Annahme, daß ich überhaupt praktischer Bienenzüchter geworden, ist freundlicher Irrtum.

Jochen Schöpflin in:
http://www.wilhelm-busch-seiten.de/werke/imkerei.html

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