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Busch-Blog

Von und über Wilhelm Busch

Dieser Blog ist dem niedersächsischen Dichter, Künstler, Erfinder der Graphic Novel und Weltweisen Wilhelm Busch gewidmet. Im Laufe der Zeit werde ich an dieser Stelle Texte aus verschiedenen seiner Werke, aber auch eigene Überlegungen zu Busch veröffentlichen.

Mittwoch, 6. Oktober 2021
ABSCHIED

Ach, wie eilte so geschwinde
Dieser Sommer durch die Welt.
Herbstlich rauscht es in der Linde,
Ihre Blätter mit dem Winde
Wehen übers Stoppelfeld.

Hörst du in den Lüften klingend
Sehnlich klagend das Kuru?
Wandervögel, flügelschwingend,
Lebewohl der Heimat singend,
Ziehn dem fremden Lande zu.

Morgen muss ich in die Ferne.
Liebes Mädchen, bleib mir gut.
Morgen lebt in der Kaserne,
Dass er exerzieren lerne,
Dein dich liebender Rekrut.

Mittwoch, 29. September 2021
IM HERBST

Der schöne Sommer ging von hinnen,
Der Herbst, der reiche, zog ins Land.
Nun weben all die guten Spinnen
So manches feine Festgewand.
Sie weben zu des Tages Feier
Mit kunstgeübtem Hinterbein
Ganz allerliebste Elfenschleier
Als Schmuck für Wiese, Flur und Hain.

Ja, tausend Silberfäden geben
Dem Winde sie zum leichten Spiel,
Sie ziehen sanft dahin und schweben
Ans unbewusst bestimmte Ziel.

Sie ziehen in das Wunderländchen,
Wo Liebe scheu im Anbeginn,
Und leis verknüpft ein zartes Bändchen
Den Schäfer mit der Schäferin.

Mittwoch, 28. Juli 2021
PRESSE

Ach, die sittenlose Presse!
Tut sie nicht in früher Stund
all die sündlichen Exzesse
schon den Bürgersleuten kund?!

Mittwoch, 14. Juli 2021
Sommer - Sonntag - Sonnenschein


Sommer - Sonntag - Sonnenschein. -

Blühende Kirchhofslinde

Nickt durchs zerbrochene Fenster hinein

Der Kirche im Morgenwinde.



Vogel fliegt dort ein und aus

Friedlich am Sonntagmorgen,

Oben im stillen Gotteshaus

Glaubt er sein Nest geborgen.



Kirche - Orgel und Choral,

Warm ist's im Kirchenraume;

Dorfes Mütterchen allzumal

Nicken behaglich im Traume.



Still Gesang. Das Wort beginnt:

Gott kommt in Strafgewittern;

Worte so da geschrieben sind:

Heulen und Kniezittern. -



Jeder Schläfer fährt so bang

Auf aus behaglichem Traume.

Doch der Vogel, der Vogel sang

Laut ein Lied in dem Raume.



War ein Lied vom Sonnenschein,

Frühling und Frühlingstriebe:

War ein Lied so hell und rein;

Frühling und Gottes Liebe!



Dummen Vogels dummes Lied,

Dachte der Küster verdrossen.

Als er, der letzte, die Kirche mied,

Hat er das Nest zerstoßen.



Ängstlich flattert das Vögelein

In der blühenden Linde,

Die da nickt zum Fenster hinein

Der Kirche im Morgenwinde.

Donnerstag, 1. Juli 2021
Kritik des Herzens

Die erste alte Tante sprach:
"Wir müssen nun auch dran denken,
Was wir zu ihrem Namenstag
Dem guten Sophiechen schenken."

Drauf sprach die zweite Tante kühn:
"Ich schlage vor, wir entscheiden
Uns für ein Kleid in Erbsengrün,
Das mag Sophiechen nicht leiden."

Der dritten Tante war das recht:
"Ja", sprach sie, "mit gelben Ranken!
Ich weiß, sie ärgert sich nicht schlecht
Und muss sich auch noch bedanken."

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