Startseite | Datenschutz | Impressum

Busch-Blog

Von und über Wilhelm Busch

Dieser Blog ist dem niedersächsischen Dichter, Künstler, Erfinder der Graphic Novel und Weltweisen Wilhelm Busch gewidmet. Im Laufe der Zeit werde ich an dieser Stelle Texte aus verschiedenen seiner Werke, aber auch eigene Überlegungen zu Busch veröffentlichen.

Freitag, 16. März 2018
Hund und Katze

Miezel, eine schlaue Katze,
Molly, ein begabter Hund,
Wohnhaft an demselben Platze,
Hassten sich aus Herzensgrund.

Schon der Ausdruck ihrer Mienen,
Bei gesträubter Haarfrisur,
Zeigt es deutlich: Zwischen ihnen
Ist von Liebe keine Spur.

Doch wenn Miezel in dem Baume,
Wo sie meistens hin entwich,
Friedlich dasitzt wie im Traume,
Dann ist Molly außer sich.

Beide lebten in der Scheune,
Die gefüllt mit frischem Heu.
Alle beide hatten Kleine,
Molly zwei und Miezel drei.

Einst zur Jagd ging Miezel wieder
Auf das Feld. Da geht es bumm!
Der Herr Förster schoss sie nieder.
Ihre Lebenszeit ist um.

O, wie jämmerlich miauen
Die drei Kinderchen daheim.
Molly eilt, sie zu beschauen,
Und ihr Herz geht aus dem Leim.

Und sie trägt sie kurz entschlossen
Zu der eignen Lagerstatt,
Wo sie nunmehr fünf Genossen
An der Brust zu Gaste hat.

Mensch mit traurigem Gesichte,
Sprich nicht nur von Leid und Streit,
Selbst in Brehms Naturgeschichte
Findet sich Barmherzigkeit.

Mittwoch, 7. März 2018
Frühling

Im Mai 1875 schrieb Busch aus Wolfenbüttel an eine Freundin:
„Bei uns ist jetzt auch der volle und wahrhaftige Frühling gekommen. Da sitzen wir des Abends im Gärtchen unter dem alten Birnenbaum; der säuselt dann so leise vor sich hin und läßt seine Blüthen herunter sinken, und manchmal fällt mir eine in den Wein hinein.“

Mittwoch, 21. Februar 2018
Klingelingelings

Im letzten AVISO hatten wir von einem Besuch im Erika-Fuchs-Haus, dem Museum für Comic und Sprachkunst in Schwarzenbach/Saale, berichtet und an die enge Verbindung des Urvaters der Comics, Wilhelm Busch, zu Wolfenbüttel erinnert. Oft, wenn in den Entenhausen-Geschichten etwas lautstark zu Bruch geht, liest man „Klickeradoms“ – ein lautmalerisches Wort. Erika Fuchs hat in ihren Übersetzungen jede Menge Zitate aus der deutschen Literatur versteckt. In diesem Falle auch eines von Wilhelm Busch, denn beim Thema Lautmalerei, auch Onomatopoesie oder Onomatopöie, ist Wilhelm Busch ein Vorreiter. „Klickeradoms“ ist ihm zu danken. In seiner „frommen Helene“ reißt der durchgedrehte Kater Munzel unter anderem eine „Kostbarkeit“ vom Kamin in den Abgrund. Und mit „Klingelingelings“ entdecken wir eine weitere lautmalerische Erfindung: „Sehr in Ängsten sieht man ihn/Aufwärts sausen am Kamin./Ach! – Die Venus ist perdü/Klickeradoms! – von Medici!/Weh! Mit einem Satze ist er/Vom Kamine an den Lüster./Und da geht es Klingelingelings!/Unten liegt das teure Dings.“
Erika Fuchs hat in ihre Texten massenhaft den Injektiv eingeführt, das heißt die Verkürzung der Verben auf ihren Stamm: grübel, grübel, ächz, schluck usw. Heute ist er im Deutschen besser bekannt als „Erikativ“. Über den Erikativ lesen wir in „Duckipedia“ (www.duckipedia.de/Erika_Fuchs): „Bekannt und einer breiteren Masse zugänglich gemacht wurde der neue Wortstamm aber ausschließlich durch Erika Fuchs.“
Wie aber heißt es im vierten Streich von „Max und Moritz“ (1865): „Und geschwinde, stopf, stopf, stopf!/Pulver in den Pfeifenkopf.“
Übrigens sind Donaldisten Mitglieder von D.O.N.A.L.D., der „Deutschen Organisation der nichtkommerziellen Anhänger des lauteren Donaldismus“. Laura Höflinger schrieb über diese „Söhne der Unvernunft“, wie Erika Fuchs sie nannte: „Bei dem Verein der Donaldisten weiß man nie genau, ob sie die Grenze zwischen Ironie und Wahn bereits überschritten haben. Mit großem Ernst diskutieren sie das Rechtssystem, die Rolle der Frau und das Klima in Entenhausen“ (Der Spiegel, 31/2015). Donaldisten erkennt man auch daran, dass sie ihrer Zustimmung bei Veranstaltungen nicht mit den Händen Ausdruck geben, sondern mit lauten „Klatsch, Klatsch, Klatsch“-Rufen.

Georg Ruppelt: Aviso. Klingelingelings. In: Wolfenbütteler Zeitung vom 21. Februar 2018.

Mittwoch, 14. Februar 2018
Wolfenbüttel und Entenhausen

Wolfenbüttel begeht in diesem Jahr sein 900-jähriges Jubiläum mit erfreulicher Comic-Präsenz, sogar auf einem Linienbus. Und das ist gut und richtig so! Historisch gesehen, weil der Urgroßvater der Comics, Wilhelm Busch, hier rund drei Jahrzehnte lang seine Sommerferien verbrachte und im familiären Kreis das Neujahr begrüßte. In dieser Zeit hat er natürlich Stoff für seine Geschichten und Bilder gesammelt und ihn in seinem provisorischen Atelier beim „Forsthaus“ künstlerisch umgesetzt. Wolfenbüttel ehrt den in 300 Sprachen übersetzten Schöpfer von „Max und Moritz“ mit dem Denkmal eines international renommierten Künstlers, das hoffentlich bald wieder aufgestellt werden kann, und mit dem Wolfenbütteler Comicpreis „Wilhelm Busch & Co.“ für Kinder und Jugendliche. Er wurde 2017 zum ersten Mal vergeben – und war ein großartiger Erfolg, auch dank der Unterstützung Wolfenbütteler Sponsoren.
Comics und Graphic Novels sprechen nach wie vor Kinder und Jugendliche, aber ebenso Erwachsene auf eine Weise an, die in unseren digitalen Zeiten erstaunt. Wer je auf der Leipziger Buchmesse in deren riesiger Comic-Halle war, weiß, wovon hier die Rede ist. Der Aviso-Autor gesteht freimütig, dass er erstens reiferen Alters ist und zweitens, dass er mit Comics sozialisiert wurde und sie heute noch liest. Und auch er hat Recht damit, denn sie sind eine bedeutende Kunstform. Und wer sagt denn, dass Kunst keinen Spaß machen dürfe?
Ein genialer Zeichner und Schöpfer des Disney’schen Entenhausen-Universums war Carl Barks (1901–2000). Seine mindestens kongeniale Übersetzerin ins Deutsche aber war Dr. Erika Fuchs (1906–2005). Der Aviso-Autor hat sich zu Neujahr eine Reise ins oberfränkische Schwarzenbach an der Saale gegönnt, wo Erika Fuchs 50 Jahre gelebt und übersetzt hat. Ihr wurde dort 2015 ein Museum mit Bibliothek gewidmet, das „Erika-Fuchs-Haus. Museum für Comic und Sprachkunst“ (www.erika-fuchs-haus.de). Es war wunderbar! Auch das Treffen mit dem Mitbegründer des Hauses und Donaldisten, im bürgerlichen Beruf Richter. Über Donaldisten erfahren Sie demnächst mehr und auch über den „Erikativ“. Wilhelm Busch hat ihn schon verwendet und auch die Lautmalerei, die aus Comics nicht wegzudenken ist.

Georg Ruppelt: Aviso. Wolfenbüttel und Entenhausen. In: Wolfenbütteler Zeitung. Braunschweiger Zeitung. 14. Februar 2018.

Mittwoch, 31. Januar 2018
KOHL

Eben geht mit einem Teller
Witwe Bolte in den Keller,
Dass sie von dem Sauerkohle
Eine Portion sich hole,
Wofür sie besonders schwärmt,
Wenn er wieder aufgewärmt.

Neuere Beiträge  Ältere Beiträge

Anmelden

  Alle Inhalte Copyright: Dr. Georg Ruppelt - freier Autor und Leitender Bibliotheksdirektor a. D.