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Busch-Blog

Von und über Wilhelm Busch

Dieser Blog ist dem niedersächsischen Dichter, Künstler, Erfinder der Graphic Novel und Weltweisen Wilhelm Busch gewidmet. Im Laufe der Zeit werde ich an dieser Stelle Texte aus verschiedenen seiner Werke, aber auch eigene Überlegungen zu Busch veröffentlichen.

Freitag, 13. April 2018
Comicstadt Wolfenbüttel IV

Wolfenbüttel-Comic — erfolgreich und nicht nur komisch

Mit der „Stadtgeschichte als Comic" von Tobias Wagner ist der Stadt Wolfenbüttel als Herausgeberin ein echter Coup gelungen, der weit über das Jubiläumsjahr hinausreichen wird. Mit Recht diskutieren die Spitzen von Politik und Verwaltung bereits in der vierten Woche nach seinem Erscheinen öffentlich, ob der Comic nicht Schullektüre werden sollte.
Der Aviso-Autor hat über seinen Email-Verteiler Freunde jedweder Geschlechts- und Alterszugehörigkeit in- und außerhalb Niedersachsens über den Wolfenbüttel-Comic informiert und einige sehr sympathische Rückmeldungen erhalten, wie etwa diese eines gestandenen Landeshistorikers: „Der WF-Comic ist wirklich super! Könnten Sie mir ein Ex. besorgen?“
Offenbar hat Bürgermeister Pink die Sachlage richtig eingeschätzt. Auf die Aviso-Frage „Warum ein Comic als Festschrift zum 900-jährigen Jubiläum Wolfenbüttels?“ antwortete er: „Weil es einmal eine ganz andere Art ist, eine Stadtgeschichte lebendig und für ein breites Publikum zu erzählen und zu zeigen!“
Tobias Wagner gab auf Fragen nach dem Entstehungsprozess folgende Antwort: „Schwierig im Sinne der bildlichen und inhaltlichen Umsetzung war die Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs. Hier wollte ich aus verständlichen Gründen weg von lustigen Bildern. Ich habe lange überlegt, wie ich das Thema um-setze und bin auch durch Gespräche mit Personen, deren Meinung mir wichtig ist, zu der jetzigen Version gekommen. Schlicht, dunkel und bewusst abgesetzt vom restlichen Inhalt.
Die Gebäude der Stadt zu, war eine Herausforderung. Gebäude sind doch so ganz anders als meine Figuren. Doch ich denke, dass alles gut geklappt hat und man alle Gebäude erkennen kann. Vor allem die Gebäude, die heute (so) nicht mehr existieren, fand ich spannend.
Spaß hatte ich bei allen Themen. Besonders am Herzen lag mir die Umsetzung des Escher-Bildes. So bekam ich einen neuen Blick auf seine Arbeitsweise. Und gefreut habe ich mich, als ich die Zustimmung von der Escher-Company aus den Niederlan-den bekam, das Bild nutzen zu dürfen.
Generell war es für mich spannend, aus den zahlreichen Geschichten kurze Episoden zu machen. Ich glaube, ich habe alle Bücher über Wolfenbüttel aus der Bücherei ausgeliehen und gelesen.“
AVISO-2018-04-04-Wolfenbüttel-Comic-IV

Freitag, 30. März 2018
Comicstadt Wolfenbüttel II und III

Comicstadt Wolfenbüttel II (Wolfenbütteler Zeitung, 14.03.18)

Wolfenbüttel hat sich dazu entschlossen, einen bedeutenden Anteil seiner Festlichkeiten zum 900-jährigen Jubiläum mit Comic-Figuren auszustatten, so etwa einen Bus und ein Buch. Dies zeugt ebenso von Klugheit und Pfiffigkeit wie von Humor und Selbstironie – Eigenschaften, die verbohrten Ideologen und Fanatikern aller Orten und Sorten völlig abgehen. Hier sind sie selbstverständlich, schon allein deswegen, weil Wilhelm Raabe und der Urgroßvater aller Comics, Wilhelm Busch, in Wolfenbüttel zu verorten sind. Ein Motto von Wilhelm Busch lautete: „Wenigstens Selbstironie sollte der Sünder haben – also jedermann.“
Ein wunderbares Zitat, das auch dazu geeignet ist, einmal auf die Bedeutung von Zitaten in allen Künsten einzugehen. Zitate gehören in untrennbarer Verbindung zu Musik, Darstellender Kunst und Literatur. Rezipienten der Kunstwerke treten durch sie in besonderen Kontakt mit dem Schöpfer des Kunstwerks: Ja, das erkenne ich, das habe ich schon einmal gelesen, gehört oder gesehen.
In Comics können Zitate als Bilder und als Worte Bedeutung gewinnen. Die lateinischen Zitate in „Asterix und Obelix“, die außerhalb des Panels (Einzelbild in einer Bild- und Schriftsequenz) nach einem * (= Asterisk = Sternchen) übersetzt werden, haben zu einem stärkeren Interesse an der lateinischen Sprache geführt. Im neuesten Abenteuer, „Asterix in Italien“ (2017), wurde mit zeichnerischen Mitteln ein Sprichwort untergebracht: An einer römischen Straße ist ein Wegweiser zu sehen, der die Aufschrift ROMA trägt mit einem Pfeil, der nach vorn weist, sowie eine weitere Aufschrift ROMA mit einem Pfeil, der in die Gegenrichtung zeigt. Ganz klar: Omnes viae Romam ducunt! – Alle Wege führen nach Rom! (Stammt allerdings aus christlicher Zeit.)
Reich ist die Zitatenausbeute aus deutscher klassischer Literatur in den Entenhausen-Geschichten, die Dr. Erika Fuchs im letzten Jahrhundert ins Deutsche übersetzt hat – wir berichteten im Aviso darüber. Im Wolfenbüttel-Comic sind zwei wunderbare großformatige zeichnerische Zitate zu finden. Auf Seite 15 wirbt Herzog Heinrich 1589: ICH WILL DICH FÜR WOLFENBÜTTEL – MELDE DICH FÜR DIE GARNISON. Unverkennbar eine Anspielung auf das „Uncle Sam“-Plakat von James Montgomery Flagg: I WANT YOU FOR U. S. ARMY (1917).

Comicstadt Wolfenbüttel III (Wolfenbütteler Zeitung, 21.03.18)
Im vergangenen Jahr wurde ein Denkmal von Markus Lüpertz zur Erinnerung an Wilhelm Busch aufgestellt, und erstmalig veranstaltete die Initiative „Wilhelm Busch & Co.“ ein Comic-Preisausschreiben für Jugendliche mit einer Ausstellung der preisgekrönten Arbeiten im SchmidtTerminal. Damit rückte die Tatsache wieder mehr in das Blickfeld der Öffentlichkeit, dass einer der bedeutendsten niedersächsischen Künstler und Dichter zu Wolfenbüttel eine besondere Beziehung hatte. Es war daher nur folgerichtig, der Kunstform Comic bei den diesjährigen Jubiläumsfeierlichkeiten viel Platz einzuräumen. Tobias Wagner beleuchtet in seiner „Stadtgeschichte als Comic“ historische Fakten mit Humor und mancher Anspielung.
Auf Seite 17 bildet er in einer einzigen Zeichnung die Irrungen und Wirrungen ab, die der Auf- und Ausbau des Rathauses im Laufe der Jahrhunderte zu bestehen hatte. Und der Betrachter stutzt – das kennt er doch! Natürlich! Da hat das surrealistische Kunstwerk „Relativität“ des Meisters der optischen Täuschungen und der unmöglichen Figuren Maurits Cornelius Escher (1898–1972) aus den Niederlanden Pate gestanden.
In 16 Panels (Einzelzeichnungen) deutet Wagner die immense Bedeutung an, die das Universalgenie Gottfried Wilhelm Leibniz für viele Wissenschaften, Technik und auch für Wolfenbüttel hatte. Hier beschäftigte sich Leibniz, wie aus Briefen an den Herzog hervorgeht, auch intensiv mit dem Binärcode, der Grundlage der Computertechnik; und man kann mit einigem Stolz darauf verweisen, dass unser digitales Zeitalter auch von Wolfenbüttel aus seinen Anfang nahm.
Sein ganzes Leben lang konstruierte Leibniz Rechenmaschinen; so gelang der Bau der „Vier-Spezies-Rechenmaschine“, von der ein letztes Exemplar in Hannover erhalten geblieben ist. Sie konnte – und ihre Nachbauten können es auch – alle vier Grundrechenarten bis zu 16 Stellen ausführen. Einen berühmten Leibniz-Satz zitiert Wagner zu diesem Thema und legt ihn zugleich einem heutigen Knaben vor einer Klassenarbeit in den Mund – sehr zum Missfallen von dessen Mathematiklehrer … Leibniz und der Schüler: „Es ist unwürdig, die Zeit von hervorragenden Leuten mit knechtischen Rechenarbeiten zu verschwenden, weil bei Einsatz einer Maschine auch der Einfältigste die Ergebnisse sicher hinschreiben kann.“
Ein Rat zu Ostern: Den Wolfenbüttel-Comic selber lesen und an Jung und Alt verschenken!

Donnerstag, 22. März 2018
Comicstadt Wolfenbüttel


Auf dem Jahresempfang der Stadt, der zugleich die Auftaktveranstaltung zum Jubiläum „900 Jahre Wolfenbüttel“ war, wurde „der offizielle Comic zur Stadtgeschichte“ erstmalig präsentiert. Um es gleich in bestem Denglisch vorwegzunehmen: „Wolfenbüttel. Die Stadtgeschichte als Comic“ von Tobias Wagner is a must für Wolfenbütteler (fast) jeden Alters und jeden Geschlechts wie für Freunde und Fans der ehemaligen Residenz- und heutigen Kreisstadt im schönen Vorharz. Dieser „neue Blick auf eine alte Stadt“ nennt sich selbst „informativ, unterhaltsam & lustig“ und untertreibt mit dieser Beschreibung eher. Ja, das 59 Seiten umfassende großformatige Buch ist all dieses, aber es ist dies in hohem Maße und noch viel mehr.
Der gebürtige Wolfenbütteler Tobias Wagner hat als Illustrator, Grafiker, Fotograf und Autor schon eine Reihe von Geschichtscomics gestaltet. Dieser ist ihm besonders gut gelungen – vielleicht weil er seine Heimat zum Gegenstand hat. Offizieller Herausgeber des Bandes ist der Bürgermeister der Stadt Wolfenbüttel. Man kann die Verantwortlichen für ihre Entscheidung und ihren Mut nur loben, denn die alte Kunstgattung Comic oder die neuere Graphic Novel werden noch immer gelegentlich als minderwertig angesehen; sie erreichen aber gerade die Jugend wie kaum ein anderer Lesestoff. Wer je auf der Leipziger Buchmesse war, weiß, was gemeint ist.
Tobias Wagner hat seine Geschichten und deren Geschichte hervorragend recherchiert. Auch gelingt es ihm – wie allen guten Comics vom Duck’schen Entenhausen-Kosmos über Asterix & Obelix oder die Abrafaxe aus dem Mosaik-Verlag – Überraschungen so in Texte und Bilder zu montieren, dass man vor ihnen auch bei der zehnten Lektüre nie sicher sein kann. Beispiel: Auf Seite 24 zieht Herzog August der Jüngere in schon reiferen Jahren mit seiner berühmten Büchersammlung in Wolfenbüttel ein. Man sieht ihn lesend, tief in ein Buch versenkt. In seiner Sprech- oder besser Denkblase heißt es: „Aaah, es geht doch nichts über ein gutes Buch eines guten Autoren!“ Der Titel des Buches ist erkennbar: „Das Schach- oder Königsspiel“ von Gustavus Selenus. Dieser Verfassername aber ist ein Pseudonym für Herzog August, dem Autor dieses erfolgreichen Schachbuches … (Fortsetzung folgt.)

AVIS0-18-03-07-Wolfenbütteler Zeitung

Freitag, 16. März 2018
Hund und Katze

Miezel, eine schlaue Katze,
Molly, ein begabter Hund,
Wohnhaft an demselben Platze,
Hassten sich aus Herzensgrund.

Schon der Ausdruck ihrer Mienen,
Bei gesträubter Haarfrisur,
Zeigt es deutlich: Zwischen ihnen
Ist von Liebe keine Spur.

Doch wenn Miezel in dem Baume,
Wo sie meistens hin entwich,
Friedlich dasitzt wie im Traume,
Dann ist Molly außer sich.

Beide lebten in der Scheune,
Die gefüllt mit frischem Heu.
Alle beide hatten Kleine,
Molly zwei und Miezel drei.

Einst zur Jagd ging Miezel wieder
Auf das Feld. Da geht es bumm!
Der Herr Förster schoss sie nieder.
Ihre Lebenszeit ist um.

O, wie jämmerlich miauen
Die drei Kinderchen daheim.
Molly eilt, sie zu beschauen,
Und ihr Herz geht aus dem Leim.

Und sie trägt sie kurz entschlossen
Zu der eignen Lagerstatt,
Wo sie nunmehr fünf Genossen
An der Brust zu Gaste hat.

Mensch mit traurigem Gesichte,
Sprich nicht nur von Leid und Streit,
Selbst in Brehms Naturgeschichte
Findet sich Barmherzigkeit.

Mittwoch, 7. März 2018
Frühling

Im Mai 1875 schrieb Busch aus Wolfenbüttel an eine Freundin:
„Bei uns ist jetzt auch der volle und wahrhaftige Frühling gekommen. Da sitzen wir des Abends im Gärtchen unter dem alten Birnenbaum; der säuselt dann so leise vor sich hin und läßt seine Blüthen herunter sinken, und manchmal fällt mir eine in den Wein hinein.“

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