Startseite | Datenschutz | Impressum

Busch-Blog

Von und über Wilhelm Busch

Dieser Blog ist dem niedersächsischen Dichter, Künstler, Erfinder der Graphic Novel und Weltweisen Wilhelm Busch gewidmet. Im Laufe der Zeit werde ich an dieser Stelle Texte aus verschiedenen seiner Werke, aber auch eigene Überlegungen zu Busch veröffentlichen.

Donnerstag, 15. November 2018
2.Wolfenbütteler Comic-Wettbewerb Wilhelm Busch & Co.

Busch-Comicpreis 2019 Anschreiben an die Presse

Superhelden des Alltags

Wilhelm Busch & Co. — 2. Wolfenbütteler Comic-Preisausschreiben
Einladung zur
Pressekonferenz am 21. November 2018, 10:00 Uhr
im SchmidtTerminal.

Sehr geehrte Damen und Herren,
Um Wilhelm Busch wieder enger mit Wolfenbüttel in Verbindung zu bringen und ihn an die Jugend heranzuführen, wurde der Wolfenbütteler Comic-Preis Wilhelm Busch & Co. gestiftet, der 2017 erstmalig mit großem Erfolg verliehen worden ist.

Um Sie über die Fortsetzung zu informieren, lädt Sie die Initiative Wilhelm Busch & Co. – Der Wolfenbütteler Comicpreis zur o. g. Pressekonferenz herzlich ein.

Schulklassen aller Schulformen ab der 8. Klasse und einzelne Jugendliche bis zum Alter von 20 Jahren können sich an dem Preisausschreiben beteiligen. Der Vizepräsident des Niedersächsischen Landtages, Frank Oesterhelweg, ist Schirmherr des Preisausschreibens. Gesucht werden diesmal gezeichnete oder digital bewegte Comics (Filme) zum Thema
Superhelden des Alltags.

Zeichne und schreibe einen Comic mit Deiner Superheldin, Deinem Superhelden des Alltags. Dies kann ein Familienmitglied, ein/e Lehrerin ein/e Freund/in
oder wer auch immer sein.

Schulklassen oder einzelne Jugendliche bis zum Alter von 20 Jahren senden Ihre Comics bitte bis zum 15. Februar 2019 an:

Wilhelm Busch & Co.
z. Hd. Frau Christine Gerlach
Der Schmidt
Halchtersche Straße 33
38304 Wolfenbüttel

Prämiert werden die von einer Jury ausgesuchten drei besten Einsendungen mit je 500, 300 und 200 Euro. Der beste bewegte Comic erhält einen Sonderpreis von 500 €. Unter allen teilnehmenden Klassen werden außerdem drei Klassenfahrten nach Hannover mit Besichtigung des Landtages und des Museums Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst vergeben. Die Sieger-Klassen erhalten überdies je 500 € für die Klassenkasse.
Aus den eingereichten Comics wird vom
26. April bis zum 20. Mai 2019 eine Ausstellung
der Comics in den Gesellschaftsräumen des Busterminals Der Schmidt gezeigt werden. Hier findet am
26. April auch die offizielle Preisverleihung statt.

Der Wolfenbütteler Comicpreis wird unterstützt von:

Curt Mast Jägermeister Stiftung
Der Schmidt
Kreativburschen
Wolfenbütteler Schaufenster
Galerie Jaeschke

Mit freundlichen Grüßen

Gez.
Steffen Maschke
Frank Oesterhelweg, MdL
Dr. Georg Ruppelt
Walburga Schmidt
Wilhelm Schmidt

Donnerstag, 11. Oktober 2018
Wilhelm Busch in Wolfenbüttel

Vortrag am 9. Oktober 2018, 18:00 Uhr,
im Restaurant Smedien vor den Wolfenbütteler Wirtschaftsgesprächen
Dr. Georg Ruppelt

Wolfenbüttel wird gemeinhin mit zwei berühmten Dichtern in Verbindung gebracht: zunächst und vor allem mit Gotthold Ephraim Lessing und dann mit Abstand auch mit Wilhelm Raabe. Das ist ganz gewiss gut und richtig so! Doch sollte man bedenken, dass beide Dichter mittlerweile nur noch einem geringen Teil der Bevölkerung vertraut sind. Während Lessing weiterhin als Heroe der Aufklärung und Toleranz in Schule und Theater und dementsprechend in den Feuilletons präsent ist, findet bedauerlicherweise Wilhelm Raabe nur noch eine relativ kleine Leserschaft – mit Ausnahme vielleicht seines Romans „Pfisters Mühle“, dem ersten „Öko-Roman“, der in unserer Zeit sogar als Theaterstück zu sehen ist.

Wir wollen heute einen niedersächsischen Künstler und Literaten mit Bezug zu Wolfenbüttel vorstellen, der weltliterarische Wirkung gezeitigt hat: Wilhelm Busch. Busch wird nach wie vor von vielen Bevölkerungsschichten und Altersgruppen gelesen, und man lacht über seine Texte und Zeichnungen oder wird zum Nachdenken durch sie angeregt wie vor eineinhalb Jahrhunderten. Der „Niedersachse unter Niedersachsen“ (Karl Krolow) war viele Jahre lang im Sommer und zum Jahreswechsel in Wolfenbüttel zu Gast bei seinem Bruder Gustav und dessen Familie.

Kurz seine Lebensdaten:
Wilhelm Busch wurde als erstes von sieben Kindern am 15. April 1832 in Wiedensahl (bei Stadthagen) geboren; er starb am 9. Januar 1908 in Mechtshausen, heute Stadtteil von Seesen. Seine strebsamen und frommen Eltern vertrauten den Neunjährigen seinem Onkel, einem Pfarrer in Ebergötzen bei Göttingen, zur Erziehung an. Mit 15 begann Busch ein Maschinenbaustudium an der Technischen Hochschule in Hannover, das er nach vier Jahren abbrach.

Er ging nach Düsseldorf und Antwerpen an die dortigen Kunstakademien und war begeistert von der Malerei des 17. Jahrhunderts. Nach Wiedensahl zurückgekehrt sammelte er Märchen und niederdeutsche Volksüberlieferung. Dann ging es nach München an die dortige Akademie, danach wurde er Mitarbeiter an den „Fliegenden Blättern“ und am „Münchener Bilderbogen“.

1865 gelang ihm der Durchbruch mit „Max und Moritz“, die er für ein geringes Honorar an seinen Verleger Casper Braun verkauft hatte, der mit der Bildergeschichte ein Vermögen verdiente; später ließ er seinen Autor daran teilhaben. Der, nun selber ein reicher Mann, spendete die hohe Summe diskret zwei Kinderkrankenhäusern.
Die Wirkung von Wilhelm Busch ist in der deutschen Literatur- und Kunstgeschichte ohne Beispiel. Als Haus- oder als Kinderbücher sind seine Bildergeschichten seit dem 19. Jahrhundert in bürgerli-chen Haushalten präsent – und nicht nur dort. Sein Werk wird geliebt und bewundert in allen Bil-dungsschichten, von allen Altersstufen.

Wilhelm Busch ist der weltweit bekannteste niedersächsische Dichter. Sein Max und Moritz wurde in über 300 Sprachen übersetzt, und er gilt als einer der Großväter des Comics. Nach wie vor wird er von allen Alters- und Sozialschichten gelesen und betrachtet. –
Busch’ geniale Kombination von Wort und Bild greift den neuen medialen Techniken des 20. Jahr-hunderts vor bzw. beflügelt sie: die bewegten Bilder des Films wie die neue Kunstform des Comics. Auch die Einbeziehung des Gehörsinns mit Mitteln der Lautmalerei in das Lesen und Anschauen seiner Bildergeschichten hat Busch fast hundert Jahre vor dem genialen Zeichner des Disney’schen „Entenhausen-Universums“ Carl Barks und seiner kongenialen deutschen Übersetzerin Dr. Erika Fuchs geschaffen. In der „Frommen Helene“ reißt ein durchgedrehter Kater eine Nippes-Figur vom Kamin:

Sehr in Ängsten sieht man ihn
Aufwärts sausen am Kamin.
Ach! – Die Venus ist perdü
Klickeradoms! – von Medici!

Weh! Mit einem Satze ist er
Vom Kamine an den Lüster.
Und da geht es Klingelingelings!
Unten liegt das teure Dings.

Diesen genialen niedersächsischen Künstler Wilhelm Busch gilt es, neu zu entdecken! Und zwar im Bereich einer Kunstform, die trotz ihrer weltweiten Anerkennung und ihrer Riesenerfolge bei vielen noch als minderwertig verachtet wird. Die Rede ist von Comics bzw. Graphic Novels. Einer ihrer unbestrittenen Väter aber ist Wilhelm Busch.

Mit dieser nur von Ignoranten nicht akzeptierten Kunstform kann man eine Bevölkerungsgruppe direkt erreichen, was in anderen kulturellen Bereichen nur schwer gelingt: die Jugend. Die Leipziger Buchmesse ist ein augenfälliger Beweis dafür. Die ausdrückliche Berufung auf diese gar nicht mehr so neuen Kunstformen würde einen Ansatz bieten, der für die zukünftige Kulturaffinität junger Generationen ursächlich sein könnte. Wolfenbüttel ist ein geeigneter Ort für Unternehmungen, die Wilhelm Busch (die Vergangenheit) mit modernen, vor allem auch digitalen Kunstformen (Gegenwart und Zukunft) „engführen“. Die kulturelle Infrastruktur böte allein durch die in dieser Stadt vorhandenen Institutionen beste Voraussetzungen dafür, seien es Ausstellungen, Workshops, Festivals, Wettbewerbe etc. – real wie digital. Ihre Vereinigung hat ja dankenswerterweise im vergangenen Jahr den Busch-Comic-Wettbewerb unterstützt
Wir wollen nun allerdings keine der erfreulicherweise nach wie vor weit verbreiteten Bildergeschichten vorstellen, sondern aus einigen Briefen zitieren, die Busch aus oder über Wolfenbüttel geschrieben hat. Danach gibt es noch Erinnerungen seines Neffen Otto Nöldeke und am Schluss einige Busch-Lieblingsgedichte des Vortragenden.
Närrisches Herz
[…] In Wolfenbüttel blieb ich über 14 Tage bei durchweg sonnigem Wetter. Herrlich! Erdbeerbowlen, Waldparthien und ländliche Spiele. Wie man nur so kindisch sein kann! Aber schön war‘s! — Besonders die Partie nach der Köhlerhütte, tief im dunkelgrünen Wald, mit Wein in Menge und recht lustigen Frauenzimmern; beim Heimwege am späten Abend, Mädchen am Arm, flimmerte alles von tausend und tausend Funken, theils aus dem Kopf heraus, theils drum herum von Johanniswürmchen, wie ich so viel noch nie bei einand gesehn. Ein hübsches Kind, das ich da wieder fand, bot mir aufs neue manch heimlich=gute Stunde. Ein närrisches Herz, was der Mensch im Leibe hat! —[…]
An Otto Bassermann. Wiedensahl, 11.08.1864 (Briefe 1, S. 30.)
Schau schau! da war auch der Frühling da
[…] Als ich vor etwa tausend Jahren
Von Frankfurt schnell hinweggefahren
Und im Coupée der Eisenbahn
Den ersten Dämmerschlaf gethan,
Da war es Nacht, und an den Wagen
Hört ich die scharfen Schloßen schlagen,
Und wie bei Kaßel der Morgen graute
Und wie ich hinaus zum Fenster schaute,
Da lag im Thal und auf der Höh
Viel weißer, kalter Winterschnee. —
Doch weiter fuhr ich, immer weiter;
Die Sonne ging auf, der Himmel ward heiter;
Und als ich im alten Wolfenbüttel
Bei Seit gestellt den Wanderknittel
Und mir so Alles rings besah —
Schau schau! da war auch der Frühling da. —
Drei Katzen saßen im Sonnenschein
Und blinzten so in den Tag hinein.
Zwei Füllen sprangen kreuz und queer,
Hopphopp, auf dem weiten Hofe umher.
Die Hähne krähten kikerikih!

Es gackert und schnattert das Federvieh,
Enten und Hühner weiß, roth und bunt.
Und vor der Thür stand Hektor der Hund
Und war vergnügt und boll und boll,
Daß es von allen Wänden scholl. –
Auch kleideten bald sich weit und breit
Die Bäume in Blüthenherrlichkeit,
Darinnen sangen viel Nachtigallen
Zu meinem besonderen Wohlgefallen
Ihre erbauliche Melodie.
Ging ich zur Ruh, so hört ich sie,
Und am Morgen erwacht ich wieder
Bei dem Klange der süßen Lieder, —
Dann währt's nicht lang, so thät mir winken
Die Frühstückszeit mit Wurst und Schinken.
Zu Mittag gab es Spargelsproßen,
Welche bei Nacht hervorgeschoßen.
Aber beim Abendsonnenschein
Trug man den guten Wein herein. – […]
An Johanna, Nanda und Letty Keßler. Wiedensahl im August 1872. (Briefe 1. S. 84.)
Wolfenbüttel, 1. Mai 75
Mein lieber Erich!
Ich will Dir wenigstens durch ein paar Worte mittheilen, daß ich noch hier bin und auch noch einige Wochen bleiben werde. Ich habe mir so eine Art von Gartenhaus gebaut mit Nordlicht, so daß ich drin malen kann. An Modellen fehlt es mir nicht, weil auf meines Bruders Hofe allerlei Leute zu thun haben, die ich nur herein zu rufen brauche. — Der Frühling will noch immer nicht recht kommen. Es fehlt an Regen; drum ist von Grün nur wenig zu sehen. Aber meine Schwägerin hat wenigstens heute Morgen die ersten zwei Spargel gestochen.
Wolfenbüttel, 19. Mai 75.
Liebe Frau Anderson!
Sie mögen gern Thiere leiden; ich auch. — Des Morgens um halb sechs werden die Hühner gefüttert und der schlanke Pfau mit dem Krönchen auf und dem Gefieder von Gold und Edelstein. Das ist der Vornehmste. Er pickt nur wenige Körner; dann gehts trrrrr! und ein Fächer von tausend Liebesaugen flimmert in der Morgensonne. Das zittert und trippelt und macht mit den Flügeln! Aber die alten Hühnertanten kucken nicht hin, sondern hacken mit ihren harten, knöchernen Nasen im Sande wei-ter. Er muß wohl ein verwunschener Prinz oder ein metamorphosierter Olympier sein; denn wenn die Frau Brückner, das kleine Waschweibchen, auf den Hof kommt, so fliegt er auf ihren Rücken und faßt sie ganz ordentlich und regelrecht beim Zopfe an. Wenn sie nur nicht nächstens das Eierlegen anfängt. Wenigstens schnattern und gackern thut diese Madam Leda genug! —
Neulich pusselt Nachbar Mumme mit dem Spaten in seinem Garten herum, dicht bei den Stachelbeerbüschen. Auf einmal springt ein fremder Hund heraus und knurrt und will nicht weg und zeigt die Zähne. „Der Hund ist toll“, so heißt es gleich. Man holt die Flinte — bum! Die Kugel geht dem Hunde durch den Kopf, er streckt sich aus und stirbt. —
Wie man genauer zusieht, liegen drei ganz kleine neugeborene Hündchen im Gebüsch. —
Nun noch einige Erinnerungen seines Neffen Otto Nöldeke aus dem Jahre 1929. Wilhelm Busch hat die letzten zehn Jahre seines Lebens in Mechtshausen verbracht, wo der Neffe Pastor war.
Wilhelm Busch und Wolfenbüttel
Von Otto Nöldeke

[…] außer einer kurzen Bemerkung, daß der Dichter fast in jedem Sommer einige Zeit im Forsthause zu Wolfenbüttel geweilt habe, wird von seinen Beziehungen zu dieser Stadt (in den Feierlichkeiten zu seinen Geburtstagen) nichts gesagt. Das mochte für einen Fernerstehenden auch nicht so leicht sein; denn, wenn Wilhelm Busch auch oft und gern in Wolfenbüttel war, so war er dort wie anderswo der gewöhnlichen Geselligkeit durchaus abhold; er liebte es nicht, ausgefragt oder gar auf seine Werke angeredet zu werden. Nur wenige Bevorzugte sind ihm bei diesem jährlichen Aufenthalt näher getreten. In weiteren Kreisen hat man oft nichts von seiner Anwesenheit gewußt oder ihn für einen menschenscheuen Sonderling gehalten. Aber vergessen hatte man es doch nicht, daß eben um dieser regelmäßigen, oft lange dauernden Besuche willen Wilhelm Busch mit der alten Lessingstadt in besonderer Weise zusammen gehört. Im Jahre 1912 wurde an dem Hause Neuer Weg 4 eine Gedenktafel enthüllt, die besagt: „Hier weilte alljährlich zu seiner Erholung Wilhelm Busch in den Jahren 1862—1887.“
In jüngster Zeit hat man auch eine neue Straße in dieser Gegend nach seinem Namen genannt.[…]
Die bekannten Gestalten, die fromme Helene, Vetter Franz, Julchen, Maler Klecksel und alle die anderen sind nicht in Wolfenbüttel zu suchen, wo keins dieser Werke geschaffen wurde; aber auch ebensowenig in Wiedensahl, wo sie größtenteils entstanden sind und wo man Ähnliches erzählt. […] Maßgeblich ist gegenüber allen diesen zur größeren Ehre eines Ortes erfundenen Märlein die klare, entschiedene Bemerkung Wilhelm Buschs in seiner Selbstbiographie „Von mir über mich“, wo er im Rückblick auf die Münchener Zeit den Künstlerverein und sein Karikaturenbuch erwähnt: „Man ist ein Mensch und erfrischt und erbaut sich gerne an den kleinen Verdrießlichkeiten und Dummheiten anderer Leute. Selbst über sich selber kann man lachen mitunter, und das ist ein Extrapläsir […] Lachen ist ein Ausdruck relativer Behaglichkeit. Der Franzl hinterm Ofen freut sich der Wärme um so mehr, wenn er sieht, wie sich draußen der Hansel in die rötlichen Hände pustet.“ Dann aber fährt Busch fort: „Zum Gebrauch in der Öffentlichkeit habe ich nur Phantasiehanseln genommen. Man kann sie auch besser herrichten nach Bedarf und sie eher sagen und tun lassen, was man will.“

[…]nach Wochen und Monaten angestrengten, fleißigen Schaffens, die der Zeichner und Dichter in der Wiedensahler Einsamkeit zubrachte, kam die Zeit der Ausspannung und Erholung, meistens durch eine Reise nach Wolfenbüttel; Erholung bedeutete aber für Wilhelm Busch nicht Untätigkeit und Nichtstun; Erholung brachte ihm die erst nach seinem Tode bekannt gewordene Ölmalerei. Dazu hatte er sich in den 70er Jahren in Wolfenbüttel auf dem Grundstück beim Forsthause ein Atelier erbauen lassen.
Dort ist auch die Gedenktafel angebracht ist, die uns sagt, wie Wilhelm Busch 1862 zum ersten Male und von da an immer wieder nach Wolfenbüttel gekommen war; […] In diesem Hause wohnte bis kurz vor seinem 1888 erfolgten Tode Gustav Busch, ein jüngerer Bruder des Dichters. Er hatte ursprünglich Seemann werden wollen.
Die erste größere Fahrt auf einem Segelschiff hatte ihn bis nach Odessa geführt. Meine Mutter, die an Lebensjahren zwischen diesen beiden Brüdern stand, erzählte davon, wie der jugendliche Bruder Seemann im strengen Winter heimgekehrt war, mit halb erfrorenen Händen und Füßen. Als die Frost- und Eiterbeulen glücklich auskuriert waren, war Gustav Busch auch von seiner Seemanns-Abenteurerlust kuriert. Er wurde Landwirt, kam um 1860 als Verwalter auf das Rittergut Linden bei Wolfenbüttel, verlobte und verheiratete sich 1863 mit Alwine Knust, einer Tochter des Fuhrhalters Knust, dem das Forsthaus mit Gastwirtschaft gehörte. Nachdem dieser Betrieb in anderen Besitz übergegangen war, wohnte die Familie Busch in dem Hause nebenan, an dem 1912 die Gedenktafel angebracht ist. Es zeugt von dem Unternehmungsgeist und Weitblick Gustav Buschs, daß er hier zusammen mit dem Gärtnereibesitzer Karl Beddig 1872 eine Konservenfabrik gründete. Die Gärtnerstadt Wolfenbüttel, die Lage des Grundstücks vor dem Herzogtor inmitten der zahlreichen Gärtnereien war dazu wie geschaffen. Aber, wie in der Festschrift der jetzt noch bestehenden Firma Busch, Barnewitz & Co. geschildert wird, fehlte den unternehmungslustigen ersten Gründern die nötige Fachkenntnis. Fast die ganze Fabrikation des ersten Jahres verdarb. Mein Onkel Wilhelm Busch hatte das in Wolfenbüttel mit erlebt. Er konnte anschaulich davon erzählen: wie die verderbenden Gemüsekonserven, Erbsen, Bohnen, Spargel die Büchsen gesprengt hätten; wie die Familienglieder im abendlichen Dunkel die verdorbenen Sachen im Garten eingegraben hätten, um den Fehlschlag vor Nachbarn und Arbeitern zu verbergen; wie aber kurz nachher an den Grabestellen größere und kleinere Krater und feuerspeiende Berge entstanden wären, die ihren gärenden Inhalt doch ans Tageslicht empor gebracht hätten. Nach diesem ersten Fehlschlag wandte man sich nach der Konservenstadt Lübeck um Rat und Hülfe. Der dort schon ausgebildete kaufmännische und technische Sachverständige Otto Barnewitz, ein mecklenburgischer Pfarrerssohn, kam nach Wolfenbüttel, und im Jahre 1873 wurde mit ihm zusammen die neue Firma gegründet; […] Gustav Busch hatte bis zu seinem Tode auch die alte Fuhrhalterei seines Schwiegervaters weitergeführt. So war auf dem Hof und dem ganzen Grundstück mit dem alten Wohnhaus und der Fabrik viel Leben und Treiben, Kommen und Gehen, an dem der Zeichner und Maler Wilhelm Busch seine Freude haben konnte.
Wolfenbüttel, 26. April 75.
Meine liebe Frau Anderson!
Wolfenbüttel — ehemals Residenz, anitzo zweite Stadt des Herzogthums Braunschweig — berühmt durch seine Bibliothek, berühmter noch durch seinen einstmaligen Bibliothekar Lessing. — Wolfen-büttel zieht mich wenig an. Ich wohne auf dem Forsthause, vor dem Thor der Stadt gelegen. Dieses Forsthaus, im grauen Alterthum ein wirkliches Forsthaus, ward später Wirtshaus und Posthalterei. Eine Tochter des letzten Posthalters hat einen meiner vier Brüder geheirathet. Er verkaufte die Wirt-schaft, behielt den größten Theil des Grundstücks zurück und hat darauf eine Confervenfabrik ange-legt. In seinem Keller liegt guter Rheinwein und guter Champagner; rings ums Haus liegen Obstgär-ten. Den Wein genieß ich nach Belieben; auf die Blüthen muß ich, scheint‘s, noch warten; denn kalt ist die Luft und bitterkalt der Wind. Ich trinke kein Bier, ich spiele keine Karten, ich liebe keine philisterhafte Geselligkeit. Drum — was schert mich Wolfenbüttel, die Stadt?? — Dies zur Ausbildung Ihrer geographischen Kenntnisse; für welche Wohlthat ich Ihrer herzlichen Dankbarkeit entgegen sehe. —
Ich habe die schönen Herbsttage hier recht behaglich verlebt. Nur eine traurige Störung kam dazwi-schen. Der Schwiegervater meines Bruders, der alte Knust, ein stets vergnügter Gesellschafter, mit dem ich auch so manche angenehme Stunde verlebt — erkrankte plötzlich, erholte sich wieder, dann kam ein neuer Rückfall, und in ein paar Stunden war er todt. Wir hatten kürzlich seinen siebzigsten Geburtstag noch sehr luftig gefeiert. — […]
Diesen Briefen, die in Wolfenbüttel geschrieben sind oder sich auf die dortige Erholungszeit beziehen, füge ich noch ein Gedicht hinzu, das Wilhelm Busch 1883 in Wolfenbüttel als Widmung mit einem Kochbuch zur Hochzeit an G. F. (Grete Fehlow), eine Verwandte der Familie Knust, verfaßte:
Es wird behauptet und mit Grund,
Ein nützlich Werkzeug sei der Mund!
Zum ersten läßt das Ding sich dehnen
Wie Guttapercha, um zu gähnen. Ach, Grete, wenn du dieses mußt,
Tu‘ es im Stillen und mit Lust!
Zum zweiten: Wenn es grad von Nöten,
Kann man ihn spitzen, um zu flöten.
Sitzt dann der Schatz auch mal allein,
Dies wird ihm Unterhaltung sein!
Zum dritten läßt der Mund sich brauchen,
Wenns irgend passend, um zu rauchen.
Dies kannst du deinem guten Gatten,
Der darum bittet, wohl gestatten.
Zum vierten ist es kein Verbrechen,
Den Mund zu öffnen, um zu sprechen.
Vermeide nur Gemüthserregung,
Sprich lieber sanft mit Überlegung,
Denn mancher hat sich schon beklagt:
„Ach, hätt‘ ich das doch nicht gesagt!“
Zum fünften: Wie wir alle wissen,
So eignet sich der Mund zum Küssen.
Sei‘s offen oder sei‘s verhohlen,
Gegeben oder nur gestohlen,
Ausdrücklich oder nebenher,
Bei Scheiden oder Wiederkehr,
Im Frieden und nach Kriegeszeiten:
Ein Kuß hat seine guten Seiten!
Zum Schluß jedoch nicht zu vergessen:
Hauptsächlich dient der Mund zum Essen!
Gar lieblich dringen aus der Küche
Bis in das Herz die Wohlgerüche.
Hier kann die Zunge fein und scharf
Sich nützlich machen, und sie darf!
Hier durch Gebrötel und Gebrittel
Bereitet man die Zaubermittel
In Töpfen, Pfannen oder Kesseln,
Um ewig den Gemahl zu fesseln.
Von hier aus herrscht mit schlauem Sinn
Die Haus- und Herzenskönigin. —
Lieb‘s Gretchen! Halt dich wohlgemuth,
Regiere mild und — koche gut!
Aus Otto Nöldeke (1867–1948): Die Lessingstadt Wolfenbüttel und ihre Dichter. Lessing – Raabe – Busch. Wolfenbüttel: Heckner 1929. S. 91–106.)

Ganz zum Abschluss noch einige Gedichte aus Busch‘ Spätwerk, vor allem aus seiner
„Kritik des Herzens“.
Sie finden sich alle in dem Busch-Blog auf meiner Homepage, die auch die Busch-Erinnerungen von Otto Nöldecke enthalten.

Donnerstag, 10. Mai 2018
Sommer – Sonntag – Sonnenschein
Sommer - Sonntag - Sonnenschein. -
Blühende Kirchhofslinde
Nickt durchs zerbrochene Fenster hinein
Der Kirche im Morgenwinde.

Vogel fliegt dort ein und aus
Friedlich am Sonntagmorgen,
Oben im stillen Gotteshaus
Glaubt er sein Nest geborgen.

Kirche - Orgel und Choral,
Warm ist‘s im Kirchenraume;
Dorfes Mütterchen allzumal
Nicken behaglich im Traume.

Still Gesang. Das Wort beginnt:
Gott kommt in Strafgewittern;
Worte so da geschrieben sind:
Heulen und Kniezittern. -

Jeder Schläfer fährt so bang
Auf aus behaglichem Traume.
Doch der Vogel, der Vogel sang
Laut ein Lied in dem Raume.

War ein Lied vom Sonnenschein,
Frühling und Frühlingstriebe:
War ein Lied so hell und rein;
Frühling und Gottes Liebe!

Dummen Vogels dummes Lied,
Dachte der Küster verdrossen.
Als er, der letzte, die Kirche mied,
Hat er das Nest zerstoßen.

Ängstlich flattert das Vögelein
In der blühenden Linde,
Die da nickt zum Fenster hinein
Der Kirche im Morgenwinde.
Dienstag, 19. Dezember 2017
Enthaltsamkeit
„Mein lieber Sohn, du tust mir leid,
Dir mangelt die Enthaltsamkeit.
Enthaltsamkeit ist das Vergnügen
An Sachen, welche wir nicht kriegen.
Drum lebe mäßig, denke klug.
Wer nichts gebraucht, der hat genug!“

So spricht der Weise, grau von Haar,
Ernst, würdig, sachgemäß und klar,
Wie sich's gebührt in solchen Dingen;
Läßt sich ein Dutzend Austern bringen,
Isst sie, entleert die zweite Flasche,
Hebt seine Dose aus der Tasche,
Nimmt eine Prise, macht hapschie!
Schmückt sich mit Hut und Paraplü,
Bewegt sich mit Bedacht nach Haus
Und ruht von seinem Denken aus.
Montag, 18. September 2017
FREUNDE
Es ist halt schön,
Wenn wir die Freunde kommen sehn. -
Schön ist es ferner, wenn sie bleiben
Und sich mit uns die Zeit vertreiben. -
Doch wenn sie schließlich wieder gehn,
Ist‘s auch recht schön. -
Samstag, 12. August 2017
Das Blut
Wie ein Kranker, den das Fieber
Heiß gemacht und aufgeregt,
Sich herüber und hinüber
Auf die andre Seite legt -

So die Welt. Vor Hass und Hader
Hat sie niemals noch geruht.
Immerfort durch jede Ader
Tobt das alte Sünderblut.
Mittwoch, 17. Mai 2017
Politisches
Ein dicker Sack - den Bauer Bolte,
Der ihn zur Mühle tragen wollte,
Um auszuruhn, mal hingestellt
Dicht bei ein reifes Ährenfeld -
Legt sich in würdevolle Falten
Und fängt 'ne Rede an zu halten.
"Ich", sprach er, "bin der volle Sack.
Ihr Ähren seid nur dünnes Pack.
Ich bin's, der euch auf dieser Welt
In Einigkeit zusammenhält.
Ich bin's, der hoch vonnöten ist,
Daß euch das Federvieh nicht frißt;
Ich, dessen hohe Fassungskraft
Euch schließlich in die Mühle schafft.
Verneigt euch tief, denn ich bin der!
Was wäret ihr, wenn ich nicht wär'?"
Sanft rauschen die Ähren:
„Du wärst ein leerer Schlauch,
Wenn wir nicht wären.“
Montag, 13. März 2017
Materie und Musik
Ein Onkel, der Gutes mitbringt,
Ist besser als eine Tante, die bloß Klavier spielt.
Montag, 30. Januar 2017
Die Affen
Der Bauer sprach zu seinem Jungen:
„Heut in der Stadt, da wirst du gaffen.
Wir fahren hin und sehn die Affen.
Es ist gelungen
Und um sich schiefzulachen,
Was die für Streiche machen
Und für Gesichter,
Wie rechte Bösewichter.
Sie krauen sich,
Sie zausen sich,
Sie hauen sich,
Sie lausen sich,
Beschnuppern dies, beknuppern das,
Und keiner gönnt dem andern was,
Und essen tun sie mit der Hand,
Und alles tun sie mit Verstand,
Und jeder stiehlt als wie ein Rabe.
Pass auf, das siehst du heute.“ -

„O Vater“, rief der Knabe,
„Sind Affen denn auch Leute?“ -

Der Vater sprach: „Nun ja,
Nicht ganz, doch so beinah.“
[...]
Der eine fährt Mist, der andre spazieren;
Das kann ja zu nichts Gutem führen. [...]

Dienstag, 4. Oktober 2016
HERBST
Seid mir nur nicht gar zu traurig,
Dass die schöne Zeit entflieht,
Dass die Welle kühl und schaurig
Uns in ihre Wirbel zieht;

Dass des Herzens süße Regung,
Dass der Liebe Hochgenuss,
Jene himmlische Bewegung,
Sich zur Ruh begeben muss.

Lasst uns lieben, singen, trinken,
Und wir pfeifen auf die Zeit;
Selbst ein leises Augenwinken
Zuckt durch alle Ewigkeit.
Montag, 26. September 2016
Schöppenstedter
Dauerhaftem schlechtem Wetter
Musst du mit Geduld begegnen.
Mach es wie die Schöppenstetter:
Regnet es, so lass es regnen!
Montag, 5. September 2016
Recht munter
Sehr tadelnswert ist unser Tun,
Wir sind nicht brav und bieder.
Gesetzt den Fall, es käme nun
Die Sündflut noch mal wieder.

Das wär ein Zappeln und Geschreck!
Wir tauchten alle unter;
Dann kröchen wir wieder aus dem Dreck
Und wären, wie sonst, recht munter.
Freitag, 26. August 2016
Bewaffneter Friede
Ganz unverhofft, an einem Hügel,
Sind sich begegnet Fuchs und Igel.
„Halt“, rief der Fuchs, „du Bösewicht!
Kennst du des Königs Ordre nicht?
Ist nicht der Friede längst verkündigt,
Und weißt du nicht, dass jeder sündigt,
Der immer noch gerüstet geht? -
Im Namen Seiner Majestät,
Geh her und übergib dein Fell!“
Der Igel sprach: "Nur nicht so schnell!
Lass dir erst deine Zähne brechen,
Dann wollen wir uns weitersprechen."
Und alsogleich macht er sich rund,
Schließt seinen dichten Stachelbund
Und trotzt getrost der ganzen Welt,
Bewaffnet, doch als Friedensheld.

Donnerstag, 6. September 2018
Der bucklige Friedel in roter Jacke

AVISO: „Der bucklige Friedel in roter Jacke“

In den letzten Jahren gab es Aktivitäten, Wilhelm Busch (1832–1908), der viele Jahre lang jeweils für mehrere Wochen im Sommer und einige Tage zu Neujahr die Familie seines Bruders in Wolfenbüttel besuchte, wieder mehr in unserer Heimatstadt zu verorten. Dazu gehört die Initiative „Wilhelm Busch & Co“, die sehr erfolgreich einen Comicpreis für Jugendliche ausschrieb. Die Curt Mast Jägermeister Stiftung erwarb eine überlebensgroße Busch-Skulptur des weltberühmten Künstlers Markus Lüpertz, die vorläufig vor dem Schloss aufgestellt wurde und wohl nach dem Umbau des Schlossplatzes neben dem Bürgermuseum als großartige Erinnerung an den genialen niedersächsischen Dichter und Künstler ihren Platz finden wird. Kongenial weist Lüpertz mit seinem Kunstwerk darauf hin, dass Busch sich als gescheiterten Maler sah und von seinen „kleinen Chosen“, wie er seine Ölbilder nannte, nicht viel hielt. Eine Fehleinschätzung, wie man seit langem weiß.
Zwei dieser „kleinen Chosen“ befinden sich neben Originalzeichnungen, eigenhändigen Briefen und manch anderen interessanten Busch-Dokumenten im Besitz des Schloss Museums Wolfenbüttel, worauf die Museumsleiterin Sandra Donner zu Recht stolz ist. Eines der beiden Gemälde wurde für die Ausstellung „Wilhelm Busch. Bilder und Geschichten“ als Leihgabe erbeten, die vom 29. September 2018 an im renommierten Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts in Baden-Baden zu sehen sein wird. Es ist „Der bucklige Friedel in roter Jacke“, ein 13,5 x 8 cm großes Ölgemälde auf Papier/Karton.
Das kleine Gemälde ist ein Kunstwerk, das man so schnell nicht aus dem Gedächtnis verliert. Busch hat eine Reihe von Gemälden und Zeichnungen geschaffen, auf denen traurige Kinder zu sehen sind – ein bemerkenswerter Gegensatz zu seinen Bildgeschichten. „Der bucklige Friedel“ nimmt vor neutralem Hintergrund die gesamte Bildfläche ein. Unter den üppigen blonden Haaren ahnt man ein weinendes Gesicht mit zugekniffenen Augen. „Er blickt den Betrachter nicht an. Das hat mich schon immer sehr bewegt“, sagt die Museumschefin. Der Kopf scheint, wohl aufgrund der Behinderung, direkt auf den Schultern zu liegen, die Arme hängen schlaff herab.
Wilhelm Busch, Du warst auch ein großer Maler!

Georg Ruppelt in: Wolfenbütteler Zeitung. Braunschweiger Zeitung. 5. September 2018.

Donnerstag, 12. Juli 2018
Verlust der Ähnlichkeit

Man sagt, ein Schnäpschen, insofern
Es kräftig ist, hat jeder gern.
Ganz anders denkt das Volk der Bienen.
Der Süffel ist verhasst bei ihnen,
Sein Wohlgeruch tut ihnen weh.
Sie trinken nichts wie Blütentee,
Und wenn wer kommt, der Schnäpse trank,
Gleich ziehen sie den Stachel blank.

Letzthin hat einem Bienenstöckel
Der brave alte Schneider Böckel,
Der nicht mehr nüchtern in der Tat,
Aus Neubegierde sich genaht.
Sofort von einem regen Leben
Sieht Meister Böckel sich umgeben.
Es dringen giftgetränkte Pfeile
In seine nackten Körperteile,
Ja, manche selbst durch die nur lose
Und leichtgewirkte Sommerhose,
Besonders, weil sie stramm gespannt.
Zum Glück ist Böckel kriegsgewandt.
Er zieht sich kämpfend wie ein Held
Zurück ins hohe Erbsenfeld.
Hier hat er Zeit, an vielen Stellen
Des Leibes merklich anzuschwellen,
Und als er wiederum erscheint,
Erkennt ihn kaum sein bester Freund.
Natürlich, denn bei solchem Streit
Verliert man seine Ähnlichkeit.

Donnerstag, 28. Juni 2018
Duldsam

Des Morgens früh, sobald ich mir
Mein Pfeifchen angezündet,
Geh' ich hinaus zur Hintertür,
Die in den Garten mündet.

Besonders gern betracht' ich dann
Die Rosen, die so niedlich;
Die Blattlaus sitzt und saugt daran
So grün, so still, so friedlich.

Und doch wird sie, so still sie ist,
Der Grausamkeit zur Beute;
Der Schwebefliegen Larve frißt
Sie auf bis auf die Häute.

Schlupfwespchen, flink und klimperklein,
Sosehr die Laus sich sträube,
Sie legen doch ihr Ei hinein
Noch bei lebendgem Leibe.

Sie aber sorgt nicht nur mit Fleiß
Durch Eier für Vermehrung;
Sie kriegt auch Junge hundertweis
Als weitere Bescherung.

Sie nährt sich an dem jungen Schaft
Der Rosen, eh' sie welken;
Ameisen kommen, ihr den Saft
Sanft streichelnd abzumelken.

So seh' ich in Betriebsamkeit
Das hübsche Ungeziefer
Und rauche während dieser Zeit
Mein Pfeifchen tief und tiefer.

Daß keine Rose ohne Dorn,
Bringt mich nicht aus dem Häuschen.
Auch sag' ich ohne jeden Zorn:
»Kein Röslein ohne Läuschen!«

Ältere Beiträge

Anmelden

  Alle Inhalte Copyright: Dr. Georg Ruppelt - freier Autor und Leitender Bibliotheksdirektor a. D.