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Busch-Blog

Von und über Wilhelm Busch

Dieser Blog ist dem niedersächsischen Dichter, Künstler, Erfinder der Graphic Novel und Weltweisen Wilhelm Busch gewidmet. Im Laufe der Zeit werde ich an dieser Stelle Texte aus verschiedenen seiner Werke, aber auch eigene Überlegungen zu Busch veröffentlichen.

Mittwoch, 4. Mai 2022
Wilhelm Busch und der Spargel

Wilhelm Busch und der Spargel

Im letzten Monat, in dem der berühmte Spargel aus unserer Region auf dem heimischen Tisch und hoffentlich im nächsten Jahr auch wieder in Restaurants frisch genossen werden kann, wollen wir an Texte von Wilhelm Busch über das Spitzengemüse erinnern.
Gern wird ein Reim aus seiner „frommen Helene“ zitiert: „Denn Schinken, Spargel, Koteletts/Sind doch mitunter auch was Netts.“ Mutter und Töchter der mit Busch befreundeten Familie Kessler in Frankfurt am Main tauschten mit ihm Briefe, aber auch kulinarische Spezialitäten aus. Interessanterweise bezeichnet sich Busch in den folgenden „Poetischen Dankesworten für eine prosaische Spargelsendung“ als „alten Heuschreck“ in „Niedersachsen“, einem Land, das es damals politisch noch gar nicht gab, sondern das erst vor 1946 gegründet wurde. Als Regionsbezeichnung hatte der Name Niedersachsen am Ausgang des 19. Jahrhunderts aber eine gewisse Ersatzfunktion für das von Preußen 1866 okkupierte welfische Königreich Hannover. So war Wilhelm Busch eines der ersten Ehrenmitglieder des 1901 gegründeten „Heimatbundes Niedersachsen“, dem ersten Natur- und Kulturschutzverein im deutschsprachigen Raum. Doch davon ein andermal mehr.
In einem Brief an Letty Kessler schreibt Busch: „Im Wald von Niedersachsen/Ein alter Heuschreck saß,/Der aß, was da gewachsen,/Bloß Laub und grünes Gras.
Zum Glück kennt er ein Grillchen,/Wohlwollend von Gemüt,/Das fern von ihm ganz stillchen/Die schönsten Spargel zieht.
Zwei Sorten, sehr erquicklich,/Sind's, die man dorten sticht,/Die eine ist verschicklich,/Die andre aber nicht./Der Heuschreck, der voll Freude
Von beiden was bekam,/Fand, daß sie alle beide/Gleich gut und lobesam. …“
Zum berühmten Braunschweiger und Wolfenbütteler Spargel hatte Busch engste, ja sozusagen familiäre Beziehungen. Fast drei Jahrzehnte war Busch im Sommer und zum Jahreswechsel zu Gast bei seinem Bruder und dessen Familie, der in der Gärtnerstadt Wolfenbüttel eine Konservenfabrik gegründet hatte. Von hier aus schreibt er etwa am 1. Mai 1875: „Der Frühling will noch immer nicht recht kommen, drum ist von Grün nur wenig zu sehen. Aber meine Schwägerin hat wenigstens heute Morgen die ersten zwei Spargel gestochen.“
Den Besitzern der neu gegründeten Konservenfabrik fehlte allerdings die Erfahrung.
Otto Nöldeke, ein Neffe Wilhelm Buschs, berichtet, dass sein Onkel gern davon erzählte, „wie die verderbenden Gemüsekonserven, Erbsen, Bohnen, Spargel die Büchsen gesprengt hätten; wie die Familienmitglieder im abendlichen Dunkel die verdorbenen Sachen im Garten eingegraben hätten…; wie aber kurz nachher an den Grabestellen größere und kleinere Krater und feuerspeiende Berge entstanden wären, die ihren gärenden Inhalt doch ans Tageslicht emporgebracht hätten“.

Mittwoch, 4. Mai 2022
Spargel

Wilhelm Busch und der Spargel

Im letzten Monat, in dem der berühmte Spargel aus unserer Region auf dem heimischen Tisch und hoffentlich im nächsten Jahr auch wieder in Restaurants frisch genossen werden kann, wollen wir an Texte von Wilhelm Busch über das Spitzengemüse erinnern.
Gern wird ein Reim aus seiner „frommen Helene“ zitiert: „Denn Schinken, Spargel, Koteletts/Sind doch mitunter auch was Netts.“ Mutter und Töchter der mit Busch befreundeten Familie Kessler in Frankfurt am Main tauschten mit ihm Briefe, aber auch kulinarische Spezialitäten aus. Interessanterweise bezeichnet sich Busch in den folgenden „Poetischen Dankesworten für eine prosaische Spargelsendung“ als „alten Heuschreck“ in „Niedersachsen“, einem Land, das es damals politisch noch gar nicht gab, sondern das erst vor 1946 gegründet wurde. Als Regionsbezeichnung hatte der Name Niedersachsen am Ausgang des 19. Jahrhunderts aber eine gewisse Ersatzfunktion für das von Preußen 1866 okkupierte welfische Königreich Hannover. So war Wilhelm Busch eines der ersten Ehrenmitglieder des 1901 gegründeten „Heimatbundes Niedersachsen“, dem ersten Natur- und Kulturschutzverein im deutschsprachigen Raum. Doch davon ein andermal mehr.
In einem Brief an Letty Kessler schreibt Busch: „Im Wald von Niedersachsen/Ein alter Heuschreck saß,/Der aß, was da gewachsen,/Bloß Laub und grünes Gras.
Zum Glück kennt er ein Grillchen,/Wohlwollend von Gemüt,/Das fern von ihm ganz stillchen/Die schönsten Spargel zieht.
Zwei Sorten, sehr erquicklich,/Sind's, die man dorten sticht,/Die eine ist verschicklich,/Die andre aber nicht./Der Heuschreck, der voll Freude
Von beiden was bekam,/Fand, daß sie alle beide/Gleich gut und lobesam. …“
Zum berühmten Braunschweiger und Wolfenbütteler Spargel hatte Busch engste, ja sozusagen familiäre Beziehungen. Fast drei Jahrzehnte war Busch im Sommer und zum Jahreswechsel zu Gast bei seinem Bruder und dessen Familie, der in der Gärtnerstadt Wolfenbüttel eine Konservenfabrik gegründet hatte. Von hier aus schreibt er etwa am 1. Mai 1875: „Der Frühling will noch immer nicht recht kommen, drum ist von Grün nur wenig zu sehen. Aber meine Schwägerin hat wenigstens heute Morgen die ersten zwei Spargel gestochen.“
Den Besitzern der neu gegründeten Konservenfabrik fehlte allerdings die Erfahrung.
Otto Nöldeke, ein Neffe Wilhelm Buschs, berichtet, dass sein Onkel gern davon erzählte, „wie die verderbenden Gemüsekonserven, Erbsen, Bohnen, Spargel die Büchsen gesprengt hätten; wie die Familienmitglieder im abendlichen Dunkel die verdorbenen Sachen im Garten eingegraben hätten…; wie aber kurz nachher an den Grabestellen größere und kleinere Krater und feuerspeiende Berge entstanden wären, die ihren gärenden Inhalt doch ans Tageslicht emporgebracht hätten“.
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Mittwoch, 29. Dezember 2021
VON ONKELs

Ein Onkel

Ein Onkel, der Gutes mitbringt, ist besser als eine Tante, die bloß Klavier spielt.

Mittwoch, 8. Dezember 2021
Dicker Sack

Ein dicker Sack - den Bauer Bolte,
Der ihn zur Mühle tragen wollte,
Um auszuruhn, mal hingestellt
Dicht bei ein reifes Ährenfeld -
Legt sich in würdevolle Falten
Und fängt 'ne Rede an zu halten.
"Ich", sprach er, "bin der volle Sack.
Ihr Ähren seid nur dünnes Pack.
Ich bin's, der euch auf dieser Welt
In Einigkeit zusammenhält.
Ich bin's, der hoch vonnöten ist,
Dass euch das Federvieh nicht frisst;
Ich, dessen hohe Fassungskraft
Euch schließlich in die Mühle schafft.
Verneigt euch tief, denn ich bin der!
Was wäret ihr, wenn ich nicht wär'?"
Sanft rauschen die Ähren:
"Du wärst ein leerer Schlauch,
Wenn wir nicht wären."

Freitag, 5. November 2021
Aphorismen

Ein Onkel, der Gutes mitbringt,
Ist besser als eine Tante, die bloß Klavier spielt.

Das Lachen ist ein alter Brauch,
Beelzebub, der tut es auch.

Lacher gibt's vom Trottel bis zum Teufel.

Lachen: Ausdruck der gekitzelten Eitelkeit.

Lachen: Ausdruck relativer Behaglichkeit.

Der gute Unterhalter braucht nichts Gescheutes zu sagen, sondern muss was Dummes anhören können.

Lachen, Bedauern, Verachten sind nach der Wurzel zu intime Verwandte, gemeinsam erzeugt von dem wohltuenden Gefühl der Überlegenheit.

Zuweilen lacht man über sich selber, sofern man sich mal bei einer mäßigen Dummheit erwischt, indem man sich nun sogar noch gescheiter vorkommt, als man ist.

Es ist halt schön,
Wenn wir die Freunde kommen sehn. -
Schön ist es ferner, wenn sie bleiben
Und sich mit uns die Zeit vertreiben.
Doch wenn sie schließlich wieder geh'n,
Ist's auch recht schön.

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