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Busch-Blog

Von und über Wilhelm Busch

Dieser Blog ist dem niedersächsischen Dichter, Künstler, Erfinder der Graphic Novel und Weltweisen Wilhelm Busch gewidmet. Im Laufe der Zeit werde ich an dieser Stelle Texte aus verschiedenen seiner Werke, aber auch eigene Überlegungen zu Busch veröffentlichen.

Mittwoch, 14. Juli 2021
Sommer - Sonntag - Sonnenschein


Sommer - Sonntag - Sonnenschein. -

Blühende Kirchhofslinde

Nickt durchs zerbrochene Fenster hinein

Der Kirche im Morgenwinde.



Vogel fliegt dort ein und aus

Friedlich am Sonntagmorgen,

Oben im stillen Gotteshaus

Glaubt er sein Nest geborgen.



Kirche - Orgel und Choral,

Warm ist's im Kirchenraume;

Dorfes Mütterchen allzumal

Nicken behaglich im Traume.



Still Gesang. Das Wort beginnt:

Gott kommt in Strafgewittern;

Worte so da geschrieben sind:

Heulen und Kniezittern. -



Jeder Schläfer fährt so bang

Auf aus behaglichem Traume.

Doch der Vogel, der Vogel sang

Laut ein Lied in dem Raume.



War ein Lied vom Sonnenschein,

Frühling und Frühlingstriebe:

War ein Lied so hell und rein;

Frühling und Gottes Liebe!



Dummen Vogels dummes Lied,

Dachte der Küster verdrossen.

Als er, der letzte, die Kirche mied,

Hat er das Nest zerstoßen.



Ängstlich flattert das Vögelein

In der blühenden Linde,

Die da nickt zum Fenster hinein

Der Kirche im Morgenwinde.

Donnerstag, 1. Juli 2021
Kritik des Herzens

Die erste alte Tante sprach:
"Wir müssen nun auch dran denken,
Was wir zu ihrem Namenstag
Dem guten Sophiechen schenken."

Drauf sprach die zweite Tante kühn:
"Ich schlage vor, wir entscheiden
Uns für ein Kleid in Erbsengrün,
Das mag Sophiechen nicht leiden."

Der dritten Tante war das recht:
"Ja", sprach sie, "mit gelben Ranken!
Ich weiß, sie ärgert sich nicht schlecht
Und muss sich auch noch bedanken."

Mittwoch, 23. Juni 2021
Immer wieder

Immer wieder

Der Winter ging, der Sommer kam.
Er bringt aufs neue wieder
Den vielbeliebten Wunderkram
Der Blumen und der Lieder.

Wie das so wechselt Jahr um Jahr,
Betracht ich fast mit Sorgen.
Was lebte, starb, was ist, es war,
Und heute wird zu morgen.

Stets muss die Bildnerin Natur
Den alten Ton benützen
In Haus und Garten, Wald und Flur
Zu ihren neuen Skizzen.

Mittwoch, 9. Juni 2021
Ein Onkel

Ein Onkel, der Gutes mitbringt, ist besser als eine Tante, die bloß Klavier spielt.

Mittwoch, 2. Juni 2021
Wilhelm Busch und der Spargel (Wolfenbütteler Zeitung 02.02.21

Wilhelm Busch und der Spargel
Im letzten Monat, in dem der berühmte frische Spargel aus unserer Region auf dem heimatlichen Tisch und hoffentlich im nächsten Jahr auch wieder in Restaurants genossen werden kann, wollen wir an einige fröhliche Texte von Wilhelm Busch über das Spitzengemüse erinnern.
Immer wieder wird gern folgender Reim aus der „frommen Helene“ zitiert: „Denn Schinken, Spargel, Koteletts/Sind doch mitunter auch was Netts.“ Gern tauschten die befreundete Familie Kessler in Frankfurt am Main und Busch Briefe, aber auch kulinarische Spezialitäten der heimischen Gefilde miteinander aus. Interessanterweise bezeichnet sich Busch in den folgenden „Poetischen Dankesworten für eine prosaische Spargelsendung“ als „alten Heuschreck im Wald von Niedersachsen“, einem Land, das es damals politisch noch gar nicht gab, sondern erst vor 75 Jahren gegründet wurde. Als Regionsbezeichnung hatte der Name Niedersachsen am Ausgang des 19. Jahrhunderts aber eine gewisse Ersatzfunktion für das von Preußen 1866 okkupierte welfische Königreich Hannover. So gehörte Wilhelm Busch als eines der ersten Ehrenmitglieder dem 1901 gegründeten „Heimatbund Niedersachsen“ an, dem ersten Natur- und Kulturschutzverein im deutschsprachigen Raum. Doch davon ein andermal mehr.
In einem Brief an Letty Kessler schreibt Busch: „Im Wald von Niedersachsen/Ein alter Heuschreck saß,/Der aß, was da gewachsen,/Bloß Laub und grünes Gras.
Zum Glück kennt er ein Grillchen,/Wohlwollend von Gemüt,/Das fern von ihm ganz stillchen/Die schönsten Spargel zieht.
Zwei Sorten, sehr erquicklich,/Sind's, die man dorten sticht,/Die eine ist verschicklich,/Die andre aber nicht./Der Heuschreck, der voll Freude
Von beiden was bekam,/Fand, daß sie alle beide/Gleich gut und lobesam. …“
Zum berühmten Braunschweiger und Wolfenbütteler Spargel hatte Busch engste, ja sozusagen familiäre Beziehungen. Fast drei Jahrzehnte war Busch im Sommer und zum Jahreswechsel zu Gast bei seinem Bruder und dessen Familie, der in der Gärtnerstadt Wolfenbüttel eine Konservenfabrik gegründet hatte. Von hier schreibt er etwa am 1. Mai 1875: „Der Frühling will noch immer nicht recht kommen, drum ist von Grün nur wenig zu sehen. Aber meine Schwägerin hat wenigstens heute Morgen die ersten zwei Spargel gestochen.“

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