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Busch-Blog

Von und über Wilhelm Busch

Dieser Blog ist dem niedersächsischen Dichter, Künstler, Erfinder der Graphic Novel und Weltweisen Wilhelm Busch gewidmet. Im Laufe der Zeit werde ich an dieser Stelle Texte aus verschiedenen seiner Werke, aber auch eigene Überlegungen zu Busch veröffentlichen.

Mittwoch, 13. Oktober 2021
Über das Älterwerden

Das große Glück, noch klein zu sein,
sieht mancher Mensch als Kind nicht ein
und möchte, dass er ungefähr
so 16 oder 17 wär'.

Doch schon mit 18 denkt er: "Halt!
Wer über 20 ist, ist alt."
Warum? Die 20 sind vergnüglich -
auch sind die 30 noch vorzüglich.

Zwar in den 40 - welche Wende -
da gilt die 50 fast als Ende.
Doch in den 50, peu à peu,
schraubt man das Ende in die Höh'!

Die 60 scheinen noch passabel
und erst die 70 miserabel.
Mit 70 aber hofft man still:
"Ich schaff' die 80, so Gott will."

Wer dann die 80 biblisch überlebt,
zielsicher auf die 90 strebt.
Dort angelangt, sucht er geschwind
nach Freunden, die noch älter sind.

Doch hat die Mitte 90 man erreicht
- die Jahre, wo einen nichts mehr wundert -,
denkt man mitunter: "Na - vielleicht
schaffst du mit Gottes Hilfe auch die 100!"

Mittwoch, 6. Oktober 2021
ABSCHIED

Ach, wie eilte so geschwinde
Dieser Sommer durch die Welt.
Herbstlich rauscht es in der Linde,
Ihre Blätter mit dem Winde
Wehen übers Stoppelfeld.

Hörst du in den Lüften klingend
Sehnlich klagend das Kuru?
Wandervögel, flügelschwingend,
Lebewohl der Heimat singend,
Ziehn dem fremden Lande zu.

Morgen muss ich in die Ferne.
Liebes Mädchen, bleib mir gut.
Morgen lebt in der Kaserne,
Dass er exerzieren lerne,
Dein dich liebender Rekrut.

Mittwoch, 29. September 2021
IM HERBST

Der schöne Sommer ging von hinnen,
Der Herbst, der reiche, zog ins Land.
Nun weben all die guten Spinnen
So manches feine Festgewand.
Sie weben zu des Tages Feier
Mit kunstgeübtem Hinterbein
Ganz allerliebste Elfenschleier
Als Schmuck für Wiese, Flur und Hain.

Ja, tausend Silberfäden geben
Dem Winde sie zum leichten Spiel,
Sie ziehen sanft dahin und schweben
Ans unbewusst bestimmte Ziel.

Sie ziehen in das Wunderländchen,
Wo Liebe scheu im Anbeginn,
Und leis verknüpft ein zartes Bändchen
Den Schäfer mit der Schäferin.

Mittwoch, 28. Juli 2021
PRESSE

Ach, die sittenlose Presse!
Tut sie nicht in früher Stund
all die sündlichen Exzesse
schon den Bürgersleuten kund?!

Mittwoch, 14. Juli 2021
Sommer - Sonntag - Sonnenschein


Sommer - Sonntag - Sonnenschein. -

Blühende Kirchhofslinde

Nickt durchs zerbrochene Fenster hinein

Der Kirche im Morgenwinde.



Vogel fliegt dort ein und aus

Friedlich am Sonntagmorgen,

Oben im stillen Gotteshaus

Glaubt er sein Nest geborgen.



Kirche - Orgel und Choral,

Warm ist's im Kirchenraume;

Dorfes Mütterchen allzumal

Nicken behaglich im Traume.



Still Gesang. Das Wort beginnt:

Gott kommt in Strafgewittern;

Worte so da geschrieben sind:

Heulen und Kniezittern. -



Jeder Schläfer fährt so bang

Auf aus behaglichem Traume.

Doch der Vogel, der Vogel sang

Laut ein Lied in dem Raume.



War ein Lied vom Sonnenschein,

Frühling und Frühlingstriebe:

War ein Lied so hell und rein;

Frühling und Gottes Liebe!



Dummen Vogels dummes Lied,

Dachte der Küster verdrossen.

Als er, der letzte, die Kirche mied,

Hat er das Nest zerstoßen.



Ängstlich flattert das Vögelein

In der blühenden Linde,

Die da nickt zum Fenster hinein

Der Kirche im Morgenwinde.

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