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Busch-Blog

Von und über Wilhelm Busch

Dieser Blog ist dem niedersächsischen Dichter, Künstler, Erfinder der Graphic Novel und Weltweisen Wilhelm Busch gewidmet. Im Laufe der Zeit werde ich an dieser Stelle Texte aus verschiedenen seiner Werke, aber auch eigene Überlegungen zu Busch veröffentlichen.

Mittwoch, 1. März 2017
FASTEN

Wennschon der Mensch, eh er was wird,
Zuweilen strauchelt oder irrt,
Wennschon die Heiligen vor allen
Mitunter in Versuchung fallen -
So gilt doch dies Gesetz auf Erden:
Wer mal so ist, muss auch so werden! -
Auch unser Toni zeigte früh
Zum Heilgen mancherlei Genie. -
Man rechnet meistens zu den Lasten
Das kirchliche Gebot der Fasten;
Man fastet, weil man meint, man muss.
Für Toni aber war's Genuss! -
Bouillon und Fleisch und Leberkloß,
Das war ihm alles tutmämschos.
Dagegen jene milden Sachen,
Die wir aus Mehl und Zucker machen,
Wozu man auch wohl Milch und Zimt
Und gute, sanfte Butter nimmt - -
Ich will mal sagen: Mandeltorten,
Dampfnudeln, Krapfen aller Sorten,
Auch Waffel-, Honig-, Pfannekuchen -
Dies pflegt' er eifrig aufzusuchen.
Den Freitag war er gern allein,
Um sich besonders zu kastein.
Der Tag war ihm besonders heilig. -
Früh stund er auf und schlich sich eilig
Zur Scheune auf die kühle Tenne,
Denn Piccola, die kluge Henne,
Legt' hier, versteckt in frisches Heu,
Behutsam schon ihr Morgenei.
Er trank es aus. - Hier sehen wir,
Dass selbst das unvernünft'ge Tier
Mit sonst gedankenlosen Werken
Den Frommen fördern muss und stärken.

(Aus der hl. Antonius von Padua)


Mittwoch, 22. Februar 2017
Vertraut


Wie liegt die Welt so frisch und tauig
Vor mir im Morgensonnenschein.
Entzückt vom hohen Hügel schau' ich
Ins frühlingsgrüne Tal hinein.

Mit allen Kreaturen bin ich
In schönster Seelenharmonie.
Wir sind verwandt, ich fühl' es innig,
Und eben darum lieb' ich sie.

Und wird auch mal der Himmel grauer;
Wer voll Vertraun die Welt besieht,
Den freut es, wenn ein Regenschauer
Mit Sturm und Blitz vorüberzieht.

Sonntag, 12. Februar 2017
KARNEVAL

Auch uns, in Ehren sei's gesagt,
Hat einst der Karneval behagt,
Besonders und zu allermeist
In einer Stadt, die München heißt.

Wie reizend fand man dazumal
Ein menschenwarmes Festlokal,
Wie fleißig wurde über Nacht
Das Glas gefüllt und leer gemacht,

Und gingen wir im Schnee nach Haus,
War grad die frühe Messe aus,
Dann können gleich die frömmsten Frau'n
Sich negativ an uns erbau'n.

Die Zeit verging, das Alter kam,
Wir wurden sittsam, wurden zahm.
Nun sehn wir zwar noch ziemlich gern
Die Sach' uns an, doch nur von fern
(Ein Auge zu, Mundwinkel schief)
Durchs umgekehrte Perspektiv.

Samstag, 4. Februar 2017
Gesundheitliches

Ein weher Zahn - schlechter Schlafkumpan.

Ein hohler Zahn ist ein Asket,
Der allen Lüsten widersteht.

Viel besser als ein guter Wille
Wirkt manchmal eine gute Pille.

Gesunder Magen bleibt unbeachtet, viel Arbeit, wenig Dank.

Kalte Füße sind lästig, besonders die eigenen.

Doktor aus dem Fenster: "Noch kein Ostwind, noch immer keine Lungenentzündung?"

Montag, 30. Januar 2017
Die Affen

Der Bauer sprach zu seinem Jungen:
"Heut in der Stadt, da wirst du gaffen.
Wir fahren hin und sehn die Affen.
Es ist gelungen
Und um sich schiefzulachen,
Was die für Streiche machen
Und für Gesichter,
Wie rechte Bösewichter.
Sie krauen sich,
Sie zausen sich,
Sie hauen sich,
Sie lausen sich,
Beschnuppern dies, beknuppern das,
Und keiner gönnt dem andern was,
Und essen tun sie mit der Hand,
Und alles tun sie mit Verstand,
Und jeder stiehlt als wie ein Rabe.
Pass auf, das siehst du heute." -

"O Vater", rief der Knabe,
"Sind Affen denn auch Leute?" -

Der Vater sprach: "Nun ja,
Nicht ganz, doch so beinah."

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