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Busch-Blog

Von und über Wilhelm Busch

Dieser Blog ist dem niedersächsischen Dichter, Künstler, Erfinder der Graphic Novel und Weltweisen Wilhelm Busch gewidmet. Im Laufe der Zeit werde ich an dieser Stelle Texte aus verschiedenen seiner Werke, aber auch eigene Überlegungen zu Busch veröffentlichen.

Sonntag, 23. Juli 2017
An Modellen fehlt es mir nicht

An Erich Bachmann

Wolfenbüttel 1 Mai. 75.

Mein lieber Erich!

Ich will Dir wenigstens durch ein paar Worte mittheilen, daß ich noch hier bin und auch noch einige Wochen bleiben werde. Ich habe mir so eine Art von Gartenhaus gebaut mit Nordlicht, so daß ich drin malen kann. An Modellen fehlt es mir nicht, weil auf meines Bruders Hofe allerlei Leute zu thun haben, die ich nur herein zu rufen brauche. – Der Frühling will noch immer nicht recht kommen. Es fehlt an Regen; drum ist von Grün nur wenig zu sehen. Aber meine Schwägerin hat wenigstens heute Morgen die ersten zwei Spargel gestochen. – Daß Du Dich in Bovenden recht nach deiner Familie sehnst, kann ich mir denken; das Geld, was du verdienst, ist aber doch nicht zu verachten.

Grüße mir Alle recht herzlich und sei selbst gegrüßt von

Deinem getr. Freunde Wilhelm B.

Sonntag, 16. Juli 2017
Wassermuhmen

In dem See die Wassermuhmen
Wollen ihr Vergnügen haben,
Fangen Mädchen sich und Knaben,
Machen Frösche draus und Blumen.

Wie die Blümlein zierlich knicksen,
Wie die Fröschlein zärtlich quacken,
Wie sie flüstern, wie sie schnacken,
So was freut die alten Nixen.

Sonntag, 9. Juli 2017
IMMER WIEDER

Der Winter ging, der Sommer kam.
Er bringt aufs neue wieder
Den vielbeliebten Wunderkram
Der Blumen und der Lieder.

Wie das so wechselt Jahr um Jahr,
Betracht ich fast mit Sorgen.
Was lebte, starb, was ist, es war,
Und heute wird zu morgen.

Stets muss die Bildnerin Natur
Den alten Ton benützen
In Haus und Garten, Wald und Flur
Zu ihren neuen Skizzen.

Sonntag, 18. Juni 2017
Schreckliche Folgen eines Bleistifts - Ballade

1
O Madrid, ich muss dich hassen,
Denn du hast ihn schnöd verkannt,
Den Murillo seinen besten
Schüler stets mit Stolz genannt.

Keiner hatte wie Pedrillo
Dieses lange Lockenspiel,
Keiner trug Hispaniens Mantel
Mit so vielem Kunstgefühl;

Keiner wiegte auf dem Haupte
Solchen hohen, spitzen Hut,
Und das edle Bleistiftspitzen
Konnt' er aus dem Grunde gut.

Meistens nahm er Nr. 7,
Und mit kunstgeübter Hand
Spitzt' er ihn an beiden Enden,
Weil er dieses praktisch fand.

Einstmals merkte dies Murillo,
Und er sprach mit ernstem Ton:
"Was ich eben da bemerke,
Das gefällt mir nicht, mein Sohn;

Denn ich glaube, dass du hierin
Sehr auf falschem Wege bist,
Weil es erstens sehr gefährlich,
Zweitens auch nicht nötig ist."

Doch Pedrillo (wie gewöhnlich
Diese jungen Leute sind)
Schlug Murillos weise Lehre
Lirum larum! in den Wind.

2
Übrigens (das muss man sagen)
Was die edle Kunst betraf,
Überhaupt in seinem Fache,
War Pedrillo wirklich brav.

So z. B. die Madonna;
Ja, wer hätte das gedacht?
Selbst der große Don Murillo
Hätte Bessres nicht gemacht.

Aber so was kostet Mühe,
Und es kostet auch noch Geld,
Denn Pedrillo hatte häufig
Sich dazu Modell bestellt.

Sie war eine Schneiderstochter
Aus der Vorstadt von Madrid,
Schwarze Augen, blonde Flechten
Brachte dieses Mädchen mit.

Als Pedrillo nun gemalet
Dieses Mädchen als Porträt,
War der große Don Murillo
Auch nicht ungern in der Näh'.

Früh vom Morgen bis zum Abend
Unterweist der Meister ihn,
Und Pedrillo folgte willig
Stets mit eifrigem Bemühn.

Aber abends, wo ein jeder
Gerne seine Ruhe hat,
Führt' Pedrillo jenes Mädchen
Oft spazieren vor die Stadt.

Einstmals merkte dies Murillo,
Und er sprach mit ernstem Ton:
"Was ich eben da bemerke,
Das gefällt mir nicht, mein Sohn;

Denn ich glaube, dass du hierin
Sehr auf falschem Wege bist,
Weil es erstens sehr gefährlich,
Zweitens auch nicht nötig ist."

Doch Pedrillo (wie gewöhnlich
Diese jungen Leute sind)
Schlug Murillos weise Lehre
Lirum, larum! in den Wind.

3
Schon am nächsten Donnerstage,
Als ein schöner Abend war,
Sah man draußen vor dem Tore
Dieses pflichtvergessne Paar.

Zu dem dort'gen Myrtenhaine
Gingen sie im Mondeslicht,
Aber keiner sah sie wieder,
Wenigstens lebendig nicht.

Denn es sprach zu ihr Pedrillo:
"Sprich, Geliebte, liebst du mich?"
Und sie presst ihn an den Busen,
Sprechend: "Ja, ich liebe dich!"

"Au!" schrie plötzlich da Pedrillo,
Und das Mädchen schrie es auch;
Tödlich fielen beide nieder
Unter einen Myrtenstrauch.

Keiner wusste, was geschehen,
Bis des Morgens in der Früh,
Denn da kam ein alter Klausner
Durch den Wald und merkte sie.

Und als er die beiden Leichen
In der Nähe sich besah,
Fand er alles sehr natürlich,
Denn, ach Gott! was fand er da?

Ach, ein Bleistift Nr. 7,
Den Pedrillo zugespitzt,
Zugespitzt an beiden Enden,
Hatte dieses Blut verspritzt.

Als Murillo dies vernommen,
Sprach er sanft und weinte sehr:
"Ach! O Jüngling, spitze niemals
Einen harten Bleistift mehr;

Führe Mädchen nie spazieren,
Denn dies Beispiel zeigt es klar,
Dass es erstens sehr gefährlich,
Zweitens auch nicht nötig war."

Mittwoch, 7. Juni 2017
Es ist halt schön


Es ist halt schön,
Wenn wir die Freunde kommen sehn. -
Schön ist es ferner, wenn sie bleiben
Und sich mit uns die Zeit vertreiben. -
Doch wenn sie schließlich wieder gehn,
Ist's auch recht schön. -

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