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Busch-Blog

Von und über Wilhelm Busch

Dieser Blog ist dem niedersächsischen Dichter, Künstler, Erfinder der Graphic Novel und Weltweisen Wilhelm Busch gewidmet. Im Laufe der Zeit werde ich an dieser Stelle Texte aus verschiedenen seiner Werke, aber auch eigene Überlegungen zu Busch veröffentlichen.

Mittwoch, 22. März 2017
Eine traurige Geschichte

Das Häschen saß im Kohl
Und fraß und war ihm wohl.
Nicht weit auf einem Rasen
Geht ganz gemütlich grasen
Ein Lämmlein weiß und schön.

Da ist der böse Wolf gekommen
Und hat das Lämmlein mitgenommen;
Das Häslein hat's gesehn.

Das Häschen sprang und lief
Zum Bauer hin und rief:
"O weh, o weh!
He, Bauer, he!
Grad ist der böse Wolf gekommen
Und hat dein Lämmlein mitgenommen!"

Da nahm der Bauer Rüppel
Den dicken harten Knüppel,
Sprach: "Danke, lieber Hase!"

Und schlug ihn auf die Nase.

Dann spricht er mit Gekicher:
"Mein Kohl ist sicher!"

Montag, 13. März 2017
Materie und Musik

Ein Onkel, der Gutes mitbringt,
Ist besser als eine Tante, die bloß Klavier spielt.

Mittwoch, 1. März 2017
FASTEN

Wennschon der Mensch, eh er was wird,
Zuweilen strauchelt oder irrt,
Wennschon die Heiligen vor allen
Mitunter in Versuchung fallen -
So gilt doch dies Gesetz auf Erden:
Wer mal so ist, muss auch so werden! -
Auch unser Toni zeigte früh
Zum Heilgen mancherlei Genie. -
Man rechnet meistens zu den Lasten
Das kirchliche Gebot der Fasten;
Man fastet, weil man meint, man muss.
Für Toni aber war's Genuss! -
Bouillon und Fleisch und Leberkloß,
Das war ihm alles tutmämschos.
Dagegen jene milden Sachen,
Die wir aus Mehl und Zucker machen,
Wozu man auch wohl Milch und Zimt
Und gute, sanfte Butter nimmt - -
Ich will mal sagen: Mandeltorten,
Dampfnudeln, Krapfen aller Sorten,
Auch Waffel-, Honig-, Pfannekuchen -
Dies pflegt' er eifrig aufzusuchen.
Den Freitag war er gern allein,
Um sich besonders zu kastein.
Der Tag war ihm besonders heilig. -
Früh stund er auf und schlich sich eilig
Zur Scheune auf die kühle Tenne,
Denn Piccola, die kluge Henne,
Legt' hier, versteckt in frisches Heu,
Behutsam schon ihr Morgenei.
Er trank es aus. - Hier sehen wir,
Dass selbst das unvernünft'ge Tier
Mit sonst gedankenlosen Werken
Den Frommen fördern muss und stärken.

(Aus der hl. Antonius von Padua)


Mittwoch, 22. Februar 2017
Vertraut


Wie liegt die Welt so frisch und tauig
Vor mir im Morgensonnenschein.
Entzückt vom hohen Hügel schau' ich
Ins frühlingsgrüne Tal hinein.

Mit allen Kreaturen bin ich
In schönster Seelenharmonie.
Wir sind verwandt, ich fühl' es innig,
Und eben darum lieb' ich sie.

Und wird auch mal der Himmel grauer;
Wer voll Vertraun die Welt besieht,
Den freut es, wenn ein Regenschauer
Mit Sturm und Blitz vorüberzieht.

Sonntag, 12. Februar 2017
KARNEVAL

Auch uns, in Ehren sei's gesagt,
Hat einst der Karneval behagt,
Besonders und zu allermeist
In einer Stadt, die München heißt.

Wie reizend fand man dazumal
Ein menschenwarmes Festlokal,
Wie fleißig wurde über Nacht
Das Glas gefüllt und leer gemacht,

Und gingen wir im Schnee nach Haus,
War grad die frühe Messe aus,
Dann können gleich die frömmsten Frau'n
Sich negativ an uns erbau'n.

Die Zeit verging, das Alter kam,
Wir wurden sittsam, wurden zahm.
Nun sehn wir zwar noch ziemlich gern
Die Sach' uns an, doch nur von fern
(Ein Auge zu, Mundwinkel schief)
Durchs umgekehrte Perspektiv.

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